The Take

Der Spoiler: Spielverderber oder Motivator?

The Take-Bloggerin Olivia Tjon-A-Meeuw hasst es wenn Filme oder Serien im Netz gespoilert werden. Onlinechef Martin Steinegger sieht das anders. Ein Pro und Kontra.

Spoilern oder nicht spoilern, das ist in diesem Beitrag die Frage...

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PRO

Martin Steinegger

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich einen Film nicht mehr anschauen wollen, wenn ihnen der Plot – oder zumindest die wichtigsten Teile davon – über Spoiler verraten wurde.

Um es klar zu machen: Ich bin nicht so. Ich mag Spoiler. Ich suche sogar aktiv auf Youtube oder Vimeo (oder sonstwo) nach den besten Szenen aus Filmen oder Serien, die ich mir vielleicht irgendwann einmal anschauen möchte.

Nun höre ich bereits das Geschrei der Spoiler-Hasser (von denen es im Netz übrigens ganze Communitys gibt): «Das geht doch nicht, Frevel, Spielverderberei!»

Bis zu einem gewissen Grad kann ich das sogar nachvollziehen. Natürlich ist es doof, wenn man sich auf einen Film freut – und den alles entscheidenden Story-Twist dann vorab via Social Media-Plattform ins Auge gedrückt bekommt. Das kann Ärger und Wut verursachen.

Ich habe aber den Eindruck, dass die Einstellung zum Spoiler von der Art und Weise abhängt, wie man Filme oder Serien konsumiert und welche Erwartungen man damit verbindet. Wer sich von einem Film von A bis Z überraschen lassen will, für den mag sich ein Spoiler tatsächlich zerstörerisch auswirken.

Ich konsumiere Filme anders. Die Story ist für mich nur ein Teil des Ganzen – und nicht unbedingt der Wichtigste. Ich mag es, mir bestimmte Szenen immer und immer wieder anzuschauen. Teilweise reicht es mir sogar, wenn ich innerhalb von Franchise-Reihen nur jene Szenen anschaue, die einen bestimmten Aspekt enthalten. Bei «Alien: Covenant» habe ich mir beispielsweise zunächst nur die Szenen auf Youtube angeschaut, in denen die Monster sich an der Raumschiff-Crew gütig tun.

Ich liebe die Alien-Reihe. Das heisst aber auch, dass ich den Plot in- und auswendig kenne. Und der hat sich mindestens seit Teil drei praktisch nicht mehr verändert: Eine Crew besteigt ein Raumschiff, fliegt ins All, entdeckt ein mysteriöses Relikt und wird dann Stück für Stück von Weltall-Monstern gefressen.

Klar wurde durch diese Szenen die Story des Films teilweise gespoilert, weil ich ja dadurch wusste, welche Protagonisten ins Gras beissen. Aber genau das ist ja der Witz an diesem Film: Zu sehen, wer, wann und vor allem auf welche Weise das Zeitliche segnet.

Spoiler verringern hierbei den Spassfaktor nicht. Vielmehr dienen sie sogar als Orientierung. Ich kann so abschätzen, ob ich mir einen Streifen später tatsächlich in voller Länge anschauen will oder nicht. Im Fall von «Alien: Covenant» lief das genauso ab. Die einzelnen, vorab gesehenen Clips fügten sich beim Ansehen des Films zu einem Ganzen zusammen.

Fazit: Die Film- und Serien-Community ist nicht geteilt in Spoiler-Hasser und Spoiler-Fans. Vielmehr besteht sie aus Personen, die mit ganz unterschiedlichen Erwartungen ins Kino gehen oder Netflix streamen. Jedem das Seine.

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KONTRA

Olivia Tjon-A-Meeuw

Während viele bedauern, dass Game of Thrones erst 2019 weitergeht, bin ich ganz glücklich darüber. Nun habe ich nämlich ein ganzes Jahr, in dem ich sorgenfrei im Internet surfen kann. Läuft die Serie, wird scheinbar überall darüber berichtet, es gibt kein Entkommen. Das ist für mich schwierig, weil ich die Serie nicht schaue, sondern der Fortsetzung der Bücher harre, die allerdings auf sich warten lässt. Sobald irgendwo das Wort «Game» auftaucht, muss ich darum schleunigst die Augen abwenden, um Spoiler zu vermeiden. Da ich bei der Geschichte so weit im Hintertreffen bin – gefühlte Jahre – , reicht es schon wenn zwei Personen auf einem Foto auftauchen. Der lebt ja noch! Sind die beiden nun Verbündete?

Natürlich kann man hier einwenden, ich sei selber schuld. Oder dass das Ganze schon nicht so schlimm sei. Oder das ich es eh wieder vergesse. Doch wer so argumentiert, verkennt das Wesen von Spoilern. Sie nehmen dem Filmerlebnis einiges weg, da ein solches auch immer von Überraschungen lebt - man denke nur an «No Luke, I am your father». Falsche Fährten funktionieren nicht mehr, weil man eh schon weiss, dass sie nirgendwo hinführen. Weiss man zu viel, kann man sich nicht auf die Geschichte einlassen, da man nur auf das bereits Bekannte wartet. Der Film kann nicht mehr als Ganzes wahrgenommen werden, sondern nur verstückelt. Was das Vergessen angeht: Spoiler scheinen sich geradezu ins Gedächtnis zu brennen.

Leider sind Spoiler aber heutzutage scheinbar allgegenwärtig. Das Problem ist das Internet und die Vernetzung, die damit einhergeht. Oder eher, dass diese Vernetzung nicht auch ins Analoge übertragen wird. Bis wir in der Schweiz eine amerikanische Serie zu sehen bekommen, dauert es ewig. Sie ist dann im Internet bereits ausführlich diskutiert worden. Dass da auch mit Spoilern gehandhabt wird, ist klar. Wie im Internet üblich, verbreiten sie sich dann unaufhaltsam, bis sie auch beim Hinterletzten in den Feed gespült werden.

Zudem wird sehr wenig Rücksicht genommen, nach mir die Sintflut scheint das Motto. Wer den neusten Blockbuster bereits am erstmöglichen Termin gesehen hat, muss seine Meinung sofort kundtun, am besten mit Details zum Film angereichert. Ganz schlimm ist, wenn der Spoiler bereits im Titel des Posts erscheint, sodass es gar keine Möglichkeit gibt, auszuweichen.

Natürlich verstehe ich, dass man einen Film in allen Details diskutieren will. Das mache ich ja auch gerne und ausführlich. Allerding sollte man anderen die Möglichkeit geben, Spoiler zu vermeiden. Also am besten zuerst überlegen, ob die Meinungskundgebung auch ohne die Zusatzinformation funktionieren könnte - das gilt gerade auch für Filmkritiker. Wenn nicht, bitte einen fetten Spoiler-Alert einbauen, zumindest eine Weile lang. Ich werde mir Mühe geben, auch in den nächsten Jahren «Game of Thrones» Spoilern aus dem Weg zu gehen. Denn ja, in diesem Fall liegt die Verantwortung wohl bei mir. Aber um Hilfe wird gebeten.

Wie würde ein Gespräch zwischen zwei Paaren ablaufen, in dem komplett auf Spoiler verzichtet wird? Ungefähr so... (landbote.ch)

Erstellt: 01.02.2018, 11:59 Uhr

ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

Martin Steinegger ist Online-Chef der Zürcher Regionalzeitungen. Er ist Youtube-Fan, geht aber auch gerne ins Kino – primär für Science-Fiction, Historische Schlachtgemälde und Monsterstreifen.

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