The Take

Fernsehen für Kranke

Wer krank ist, braucht Unterhaltung, doch diese will sorgfältig ausgesucht sein. Unsere Autorin weiss Rat.

Olivia Benson (Mariska Hargitay) ist, wie so häufig, entsetzt.

Olivia Benson (Mariska Hargitay) ist, wie so häufig, entsetzt.

Eigentlich ist es ja schon Frühling, aber der Winter will noch nicht so recht loslassen. Darum hört man es überall schnüffeln und niesen (oder ist es schon der Heuschnupfen?). Und manchmal wächst sich dieser Schnupfen zu einer richtigen Krankheit aus, sodass man für einige Tage ans Bett gefesselt ist. Krank sein ist mühsam, aber krank sein ist auch langweilig. Also muss Ablenkung her, am besten audiovisuelle, denn zum Lesen fehlt die Energie.

Diese Ablenkung sollte leichtverdaulich sein, zudem sollte man sie nicht zu gerne haben, wahrscheinlich kriegt man nämlich nur knapp die Hälfte mit. Also nicht der Lieblingsfilm, ausser man hat ihn schon tausendmal gesehen und kennt ihn dementsprechend auswendig. Weil aber ein ‹Herr der Ringe› Marathon einfach zu anstrengend ist, habe ich mich letzte Woche für ‹Law and Order: New York› (original ‹Law and Order: Special Victims Unit›) entschieden.

Die legendäre Eröffnungsequenz von ‹Law and Order: SVU›.

Jede Folge beginnt mit dem gleichen Intro: «Bei Polizei und Staatsanwaltschaft gelten Sexualverbrechen als besonders abscheulich. In New York City gehören die engagierten Detectives, die in diesen brutalen Fällen ermitteln, zur Sondereinheit für Sexualdelikte. Dies sind ihre Geschichten.»

Seit beinahe 20 Jahren ermittelt Olivia Benson (Mariska Hargitay) schon in dieser Sondereinheit, häufig in Fällen, die von Schlagzeilen inspiriert sind. Klar haben sich dabei einige Muster eingespielt. Erstens: Das ursprüngliche Verbrechen steht häufig nicht im Zentrum, da es ein anderes, noch viel schlimmeres überdeckt. Zweitens: Benson ist auch nach 20 Jahren immer schockiert. Das wissen wir, weil ihr der Mund offen stehen bleibt. Manchmal beben auch ihre Lippen. Drittens: Am Ende lösen die Polizisten oder der Staatsanwalt den Fall. Es sei denn, es geht darum zu zeigen, dass sich der Fall im moralischen Graubereich bewegt, dann hört eine Folge schon mal auf, bevor es zu einem Gerichtsurteil kommt. Dann dürfen wir uns selbst Gedanken darüber machen. Oder, was wahrscheinlicher ist, wir gehen weiter zur nächsten Episode.

Dank dieser Routine ist ‹Law and Order: New York› perfekt geeignet für Krankentage. Wenn kurz die Augen zufallen, kann man jederzeit wieder einsteigen und weiss woran man ist. Zudem fängt die Geschichte bei jeder Folge wieder von vorne an. Ein weiteres Plus: Jeder Szenenwechsel wird vom typischen «du-duuu» begleitet, auch bekannt als «Das Dröhnen». Es ist jedes Mal ein kleiner Weckruf. Zudem läuft ‹Law and Order: New York› garantiert immer auf irgendeinem Sender.

Erstellt: 28.03.2019, 10:08 Uhr

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