The Take

Meine 5... liebsten Filmsoundtracks

Ohne Musik wären Filme nur halb so gut. Darum hat unsere Autorin eine Liste mit ihren liebsten Soundtracks zusammengestellt.

Mulan, das Mädchen, das noch nicht weiss, wie man ein richtiger Mann ist. Sie singt ein ganzes Lied darüber.

Mulan, das Mädchen, das noch nicht weiss, wie man ein richtiger Mann ist. Sie singt ein ganzes Lied darüber.

Mulan

Obwohl Disney heute gefühlt 99 Prozent der Filmindustrie beherrscht, bedeutet «Disney-Film» etwas ganz bestimmtes: Ein Zeichentrickfilm mit Musik. Da gibt es viele Kandidaten, die es zum Klassiker geschafft haben. Einer liegt mir aufgrund der tollen Lieder ganz besonders am Herzen: ‹Mulan›, die Geschichte der legendären chinesischen Heldin, die als Mann verkleidet in den Kampf gezogen ist. Kein Song verkörpert den Film besser als ‹Sei ein Mann› oder im Original ‹I’ll make a man out of you›. Gesungen wird das Lied während der besten Trainingsmontage, die je auf Film gebannt wurde (Rocky wer?). Der Refrain lässt sich ausgezeichnet mitsingen und gleichzeitig zeigt das Lied auch den performativen Aspekt der Geschlechtsidentität auf. Als junges Mädchen war mir das natürlich nicht bewusst. Dafür hätte ich damals gerne einen Track wie ‹Mulan’s Verwandlung› gehabt, um den wichtigsten Momenten meiner Teenagerjahre die nötige Dramatik zu verleihen.

‹Sei ein Mann› aus ‹Mulan›.

Baby Driver

Auf dem Soundtrack zu Edgar Wrights Heist Film ‹Baby Driver› finden sich gerade mal zwei neue Tracks. Die restlichen 28 sind Klassiker wie ‹Harlem Shuffle›, ‹B-A-B-Y›, ‹Tequila› und natürlich der titelgebende Song von Simon and Garfunkel. Diese Lieder sind für sich alleine schon toll. Es ist aber nicht so, dass es reicht, sie auf einem Album zu versammeln, welches dann toll im Quadrat ist. Nein, was das ‹Baby Driver› Album besonders macht, sind die Bilder, die es hervorruft. Edgar Wright hat seinen Film perfekt zur Musik getaktet. Bevor er das Drehbuch geschrieben hat, hat er eine Playlist zusammengestellt. Im fertigen Film ist jedes Türenschlagen, jeder Schritt, jedes Spannen eines Pistolenhahns genau auf den Beat gelegt. Der Protagonist Baby (Ansel Elgort) leidet an Tinnitus und übertönt das Piepsen durch seine perfekt kuratierten Playlisten. Er geht so durchs Leben, wie ich es mir auch wünsche: mit einem Killer Soundtrack.

Baby (Ansel Elgort) holt sich seinen Kaffee, begleitet vom ‹Harlem Shuffle›.

Pacific Rim

Ramin Djawadi ist den meisten wegen seiner Arbeit für ‹Game of Thrones› ein Begriff. Der Titelsong ist extrem eingängig. Für mich steht jedoch ein anderes seiner Werke im Zentrum: Der Soundtrack zu Guillermo del Toros ‹Pacific Rim›. Wenn riesige Eidechsenmonster auf gigantische Roboter einschlagen, verleiht Djawadis Musik - die Mischung aus elektronischen Elementen und orchestralen Streichern -- dem ganzen die richtige Dosis Pathos. Was erwartet man sonst auch von Liedern mit Namen wie ‹Canceling the Apocalypse› (‹Die Apokalypse absagen›) oder ‹2500 Tons of Awesome› (‹2500 Tonnen Hammermässiges›). Perfekt also, für das Schreiben der Masterarbeit. So sass ich vor einigen Jahren mit dicken Kopfhörern in der Bibliothek, abgeschottet von der Aussenwelt. Und wenn mich die Motivation mal verliess -- also circa alle 10 Minuten -- nahm ich die Musik kurz bewusst war, und voilà, schon war ich bereit ein paar Köpfe zusammenzuschlagen -- oder die bibliothekstaugliche Version davon, dass heisst, den nächsten Paragraphen zu schreiben.

Der Titelsong ‹Pacific Rim› aus dem gleichnamigen Film.

Der Herr der Ringe

Peter Jacksons ‹Herr der Ringe› Trilogie dürfte das prägendste Kinoerlebnis meiner Jugendzeit gewesen sein. Einen wichtigen Beitrag dazu hat Howard Shores Musik geleistet. Er hat eine im wahrsten Sinne epische Filmmusik geschrieben. In klassischer Tradition gibt er Orten und Personen ein Motiv, dass dann in Variationen im Laufe der drei Filme auftaucht. Die Musik ist lieblich, zum Beispiel bei den Hobbits, oder eindringlich, in den Minen von Moria, wo der Chorgesang die Musik vorantreibt. Mein Lieblingsmotiv ist das der Rohirrim, der Reiter von Rohan, es verspricht Grösse, gemischt mit einem Hauch Melancholie. Aber egal welches Stück ich höre, beim ersten Ton kriege ich gleich Gänsehaut. Wer die Chance hat, sollte unbedingt versuchen, den Film mit Orchesterbegleitung live zu sehen.

‹The Riders of Rohan› in dem das Rohirrim Motiv etwa in der Hälfte auftaucht.

A Star is Born

Keine überraschende Wahl: Der Soundtrack zu Bradley Coopers Regiedebüt ‹A Star is Born› wird zurzeit im Radio rauf und runter gespielt und hat es weltweit in die Charts geschafft. Nun ist ‹Shallow›, der zentrale Song des Films, sogar für den Oscar nominiert. Es gibt aber eben gute Gründe für diesen Erfolg. Die klassischen, rockigen Countrysongs sind gut gemacht, Cooper überzeugt stimmlich und Lady Gaga sowieso. Die Popsongs, die Gagas Charakter in ihrer Popphase singt, überspringe ich immer. Für mich ist eindeutig, dass die Lieder die Qualität der übrigen Tracks nicht erreichen, auch wenn der Film sich da nicht so klar positioniert. Mein Lieblingslied ist klar ‹Always Remember Us This Way›. Der Refrain «When the sun goes down and the band won’t play/ I’ll always remember us this way» hat es mir momentan sehr angetan. Wahrscheinlich dürfte der Soundtrack längerfristig einen grössen Eindruck in der Popkultur hinterlassen als der Film an sich.

Lady Gaga singt ‹Always Remember Us This Way›

Hier noch ein Beispiel dafür, wie merkwürdig es ist, wenn die Musik fehlt. Vor einigen Jahren wurde aus Versehen ein Trailer für den Tom Cruise Film ‹Die Mumie› veröffentlicht, bei dem die Musik vergessen ging.

Der Trailer zu ‹Die Mumie› ohne Musik

Olivia Tjon-A-Meeuw

Erstellt: 01.02.2019, 16:53 Uhr

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ZSZ-Mitarbeiterin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

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