Kommentar

Harte Quittung für einen fatalen Wurf

Stadtredaktor Till Hirsekorn kommentiert das Urteil im Fall des Winterthurer Schachtdeckel-Werfers.

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Fast 30 Jahre alt könnte er sein, wenn er wieder auf freien Fuss kommt, ohne abgeschlossene Lehre in der Tasche. Die Perspektiven für den verurteilten 22-Jährigen sind düster. Sieben Jahre Gefängnis, das ist hart. Warum warf er den Schachtdeckel? Was trieb ihn an? Was war sein Motiv? Diese Fragen bleiben offen. Weder war B. FCW-Fan, noch war zuvor als gewalttätiger Prolet aufgefallen.

B.’s Verteidiger war mit seiner Strategie gefloppt. Unzurechnungsfähig war sein Klient an jenem Abend wohl nie, betrunken, aber nicht im Vollrausch, dagegen spricht zu viel. Glaubwürdig war die Filmriss-Version zu keiner Zeit. De facto hatte B. die Tat mehrfach gestanden und sich dafür entschuldigt.

An jenem Abend war ein durchschnittlich-intelligenter junger Mann zu einem totalen Vollidioten mutiert.

Der Schluss liegt deshalb nahe: An jenem Abend war ein durchschnittlich-intelligenter junger Mann zu einem totalen Vollidioten mutiert. Er warf und wusste, dass dies fatale Konsequenzen haben könnte. Dass der Getroffene nicht schwerer verletzt wurde, ist pures Glück. Der Deckel-Wurf ist so dreist wie feige. B. nahm dabei den Tod eines Menschen in Kauf, ist das Gericht überzeugt. Das ist wohl so, wenn jemand aus elf Metern Höhe einen zwei Kilogramm schweren Gegenstand auf eine Gruppe von Fans schleudert.

Ein Hooligan-Urteil ist der Schuldspruch nicht. B. war nicht Teil eines organisierten Pulks. Dennoch könnte das Verdikt für die Hooligan-Szene Signalwirkung haben, in Zeiten, in denen Bilder von Massenschlägereien beim Zürcher Prime-Tower durch die Medien gehen, die von erschreckend dumpfer roher und menschenverachtender Gewalt zeugen. Die Hemmschwelle darf nicht weiter sinken. Gewisse Taten lassen sich nicht kleinreden. Sie müssen hart bestraft werden. (landbote.ch)

Erstellt: 01.06.2018, 18:50 Uhr

Till Hirsekorn ist Stadtredaktor beim Landboten und begleitete diesen Prozess.

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