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Die Hälfte der Wülflinger vergessen

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So peinlich. Dies die erste Reaktion auf den Auszählfehler bei den Gemeinderatswahlen. Und als Lokalpatriot denkt man: Da wird Winterthur wieder für einige Wortspiele herhalten müssen. Das Griechenland der Schweiz lässt grüssen.

Dann die Frage: Wie ist so etwas möglich? Denn es handelt sich nicht bloss um ein paar BDP-Stimmen, die vergessen gingen, sondern um 1951 unveränderte Wahlzettel aller Parteien. Wülflingen hat knapp 10’000 Stimmberechtigte, die Wahlbeteiligung lag bei rund 40 Prozent. Und da gingen fast 2000 Stimmen unter. Das ist die Hälfte aller Gemeinderats-Wahlzettel in diesem Stadtkreis. Eine Abweichung die sofort hätte auffallen müssen. Wie konnte das bis am Mittwoch unbemerkt bleiben? Insofern ist man noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen: Hätten die Wülflinger deutlich anders abgestimmt als der Rest der Stadt, es wären noch weitere Sitzverschiebungen möglich gewesen.

Kommt noch die Panne mit den Wahlcouverts im Vorfeld der Wahlen hinzu. Ein völlig anders gelagerter Fehler zwar, aber doch rüttelt beides an der Glaubwürdigkeit des ganzen Abstimmungsprozederes. Kein Wunder wird unterdessen auf Facebook darüber diskutiert, ob das jetzige Wahlergebnis nun wirklich stimmt.

Die Stadtverwaltung muss nun alles daran setzen, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Logisch: Fehler können immer passieren, da kann jeder vor der eigenen Tür wischen. Aber die Wahlbüros stehen hier besonders in der Pflicht. Da darf nicht gespart werden, es braucht überall doppelte Kontrollen. Sonst leidet das Vertrauen in die Abstimmungsergebnisse. Das ist spätestens dann verheerend, wenn es wieder einmal eine knappe Wahl gibt, wie damals 2001 als nur eine Stimme unterschied über Wahl oder nicht Wahl in den Stadtrat entschied.

Eine nötige Verbesserung: Die Informationen zu den Gemeinderatswahlen im Internet sollten ausgebaut werden. Würden dort die Wahlbeteiligungen der Stadtkreise in den Parlamentswahlen aufgeschaltet, der Fehler wäre sicherlich schon am Sonntagabend entdeckt worden.

Erstellt: 08.03.2018, 14:10 Uhr

Jakob Bächtold, Stv. Chefredaktor

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