Grün & Gut

Artenvielfalt im kleinen Garten

Gemüse anbauen und die Artenvielfalt fördern – dies ist auch im kleinen Garten kein Widerspruch.

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Auf der einen Seite des Kieswegs summt, zirpt und flattert es – es ist eine bunte Magerwiese mit vielen Blumen und Insekten. Auf der anderen Seite ein Weizenfeld – eine Farbe, eine Pflanzenart, Stille und kein Insekt zu sehen. Und trotzdem: Der Anbau von Nahrungsmitteln möglichst im Inland macht Sinn. Das eine tun, das andere nicht lassen: Auch als Kleingärtner will ich Nutzpflanzen, also Gemüse, anbauen. Doch was kann ich für die Artenvielfalt tun, für ­Insekten und Vögel?

Um diese Frage zu beantworten, habe ich in meiner Pünt gemessen und gezählt. Das Resultat: Auf den rund 200 Quadratmetern Fläche baue ich auf etwa 140 Quadratmetern Nutzpflanzen an, also Gemüse und Gewürze. Die restliche Fläche besteht aus Büschen, kleinen Bäumen, Zierpflanzen, Rasen, Wegplatten und dem Püntenhäuschen.

In meiner Pünt mit einer Fläche von 200 Quadratmetern wachsen über hundert verschiedene Pflanzenarten.

Als ich die mehrjährigen Pflanzen und jene, die am gleichen Ort Jahr für Jahr versamen, zählte, war ich überrascht: In meinem kleinen Garten kam ich auf rund achtzig verschiedene Pflanzenarten, die Unkräuter nicht mitgezählt. In der Botanik gibt es den Begriff Unkraut nicht. Wird einem Kraut kein kulinarischer, ästhetischer, ökologischer oder pharmazeutischer Nutzen zugesprochen, wird es gejätet und eben als Un-Kraut bezeichnet.

Bei den einjährigen Gemüsepflanzen zählte ich dieses Jahr nochmals knapp dreissig verschiedene Arten. Zählt man die Sorten der jeweiligen Arten, zum Beispiel die sechs verschiedenen Tomatensorten, hinzu, steigt diese Zahl nochmals um etwa zwanzig. Summa summarum: In meiner Pünt mit einer Fläche von 200 Quadratmetern wachsen über hundert verschiedene Pflanzenarten.

Doch die grosse Anzahl an Pflanzenarten bedeutet nicht automatisch einen hohen Nutzen für die Artenvielfalt. So profitieren etwa Insekten oder Vögel von der hübsch gelb blühenden Forsythie überhaupt nicht. Der ökologische Wert der Zierpflanze sei mit dem eines Christbaums aus Kunststoff gleichzusetzen, schrieb jemand. In den letzten Jahren habe ich vermehrt solche Pflanzen angebaut, die für die Biodiversität wertvoller sind. Der Aufwand war gering, die Wirkung überraschend gross.

Drei Beispiele: Kaum blühte der Echte Kümmel zum ersten Mal, wimmelte es auf den weissen Dolden nur so von Insekten. Darunter waren viele bunte Käfer und verschiedene Wildbienen – es war, als wären sie aus dem Nichts gekommen.

Oder kleinköpfige Sonnenblumen: Während der Blüte von Insekten geschätzt, flattern im Herbst Distelfinken herbei, um die fetten Samen zu picken. Ebenso ergiebig ist die himmelblaue, bis in den Herbst hinein blühende Wegwarte, deren Samen die Vögel schätzen. Einzige Bedingung: Man sollte die verblühten Blumen nicht gleich abräumen.

Weil Rasenmähen eh eine Sisyphusarbeit ist, wandle ich zurzeit eine der beiden kleinen Rasenflächen um in eine artenreiche Magerwiese. Und am trockensten Standort in der Pünt schichte ich die Steine aus den Gemüsebeeten zu Haufen auf – Eidechsen mögen solche Orte. Meine Erfahrung bisher: Das Nebeneinander von Gemüseanbau und bunter Artenvielfalt ist kein Widerspruch.

Erstellt: 18.06.2019, 11:34 Uhr

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