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Bilder aufhängen

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Ich weiss schon, warum ich bis zu den Ferien gewartet habe, um das Bild aufzuhängen. Die Auswahl des Motivs geht ja rasch. Das Aufhängen hingegen, das dauert etwas länger. Vor allem wenn die Mauern zwar alt, aber solid und mit unterschiedlichem Gestein durchsetzt sind.

Neben Hammer und Nagel müsste man dann auch eine Wünschelrute oder ein Röntgengerät dabeihaben. Wenn ich hier den Nagel einschlage, stosse ich dann auf einen so harten Brocken, dass es mir den Hammer aus der Hand schmettert? Oder bröckelt dann gleich der Gipsverputz so runter, dass es in der Stube aussieht wie in einer Schneekugel?

Derweil verändert sich die Zahl der geraden Nägel umgekehrt prozentual zu den Fehlversuchen.

Das wiederum führt unweigerlich dazu, dass man noch mehr Bilder aufhängen muss: um hinter ihnen die bei früheren Bild-Aufhäng-Versuchen entstandenen Löcher zu verbergen.

Derweil verändert sich die Zahl der geraden und damit noch einsatzfähigen Nägel umgekehrt prozentual zu den Fehlversuchen. Bald hat man nur noch Reissnägel, die schon bei einer Postkarte schwach werden, oder aber man findet in den Tiefen der Werkzeugkiste noch eine Schachtel mit Stahlnägeln, von denen man zwar ein ganzes Kilo hat, die aber jeweils 10 Zentimeter lang sind, was zwecks Aufhängung eines doch eher kleinen Bildes wohl etwas übertrieben ist.

Hat man es schliesslich doch geschafft, irgendwo zwischen den klaffenden Löchern und den granitharten Stellen einen Haken so in der Wand zu platzieren, dass er von einem vorsichtig drangehängten Bild nicht gleich wieder runtergerissen wird, entdecke ich, dass das Bild an der Hinterseite mit einer jener Aufhängeösen ausgestattet ist, in die man dann den Nagelkopf einhängen muss, was natürlich nie klappt, weil man ja die Hinterseite – wie es ihr Name schon sagt – beim Aufhängen nicht sehen kann.

Stattdessen muss man Öse und Nagelkopf nach Gefühl und auf gut Glück zusammenbringen. Und so stehe ich denn, nachdem ich schon Stunden mit Hämmern, Nägelsuchen und Gipszusammenkehren verbracht habe, im Wohnzimmer: das Bild in beiden Händen, drücke es an die Wand, lasse es langsam runtergleiten, in der Hoffnung, dass jetzt diesmal endlich der Nagelkopf die Öse treffen möge.

Und diese Bewegung mache ich dann für den Rest des Nachmittags. So lange, bis ich mich frage, ob ich nicht lieber mich selbst anstelle des Bildes aufhängen sollte. Aber dazu bräuchte ich nun wieder einen neuen Nagel.

Erstellt: 02.08.2019, 10:41 Uhr

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