Bist du immer ehrlich?

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Diese Frage stellte mir ein Jugendlicher kürzlich in einem Gespräch. Die älteren unter den Ministrantinnen und Ministranten unserer Pfarrei hatten den Wunsch, ein paarmal im Jahr theologische Fragen zu diskutieren, und sie wollten mich mit dabei. Das empfinde ich als grosse Ehre. Ich bin den jungen Leuten unendlich dankbar dafür. Jugendsynode live, kann ich dazu nur sagen.

Wir brauchen keine 270 Bischöfe, die in Rom über die Fragen der Jugend debattieren, um herauszufinden, wie wertvoll es ist, auf junge Menschen zu hören. Ich glaube, ich darf sagen, dass ich als Verantwortliche einer katholischen Pfarrei nahe an den Jugendlichen bin, und trotzdem sind solche Gespräche enorm wichtig, weil sie mich von einer ganz anderen Seite herausfordern.

Jugendsynode live, kann ich dazu nur sagen.

Jugendliche gehen anders an Glaube und Kirche heran. Wie ist das noch mal mit der Auferstehung? Jesus soll Gott sein? Ein Leben nach dem Tod? Hätte ich so richtig «fromme» Jugendliche vor mir, so echt römisch-katholisch sozialisierte, dann wären die Antworten einfach. Doch es würden keine solchen Fragen gestellt. Unsere Minis, wie wir die Ministranten nennen, sind kirchlich engagiert, aber sehr kritisch. Das schätze ich. Ein angehender Lehrer sagt ganz klar: Ich bin Agnostiker! Das heisst, ich weiss nicht, ob es einen Gott gibt. Bin ich es nicht auch eine Agnostikerin?

Ehrlich heisst für mich: authentisch sein.

Die Jungen stellen Fragen, wo viele längst Floskeln parat haben und es nicht einmal mehr merken. Sie fordern heraus. Ich bin weit entfernt davon, ihnen ihre Fragen mit ein paar Sätzen zu beantworten oder ihre Zweifel am überbrachten Glauben auszuräumen. Ich erzähle ihnen auch, wie schwierig es manchmal für mich sei, zum Beispiel bei einer Beerdigung, die richtigen Worte zu finden.

Ich erzähle ihnen, dass ich nicht einfach vom ewigen Leben sprechen könne oder vom Himmel. Denn was heisst Himmel, was ewiges Leben? Bist du immer ehrlich in deinen Predigten? Da steht sie, diese so wichtige Frage für uns Kirchenleute. Ich sage: «Ja!» Mein Ja kommt aus dem Innersten. Ja, ich bin ehrlich in meinen Predigten und Aussagen zum Glauben. Ehrlich heisst für mich: authentisch sein, mir und den andern nichts vormachen. Ich spreche von meinen eigenen Zweifeln, von meinem Suchen und dem Finden. Bei Pizza und Eistee klingt unser Gespräch aus.

Erstellt: 03.11.2018, 14:57 Uhr

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiterin der katholischen Pfarrei St. Martin, Illnau-Effretikon.

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