Tribüne

Das Gesicht der Hoffnung

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Die römisch-katholische Kirche steckt in der grössten Krise seit ich denken kann. Nicht von aussen verschuldet, diese Krise kommt aus dem Innersten der Kirche selbst.

Die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, die sexuelle Gewalt an Frauen, vor allem an Klosterfrauen durch Priester, Bischöfe und Kardinäle ist unsäglich. Es fehlen mir die Worte auszudrücken was ich fühle. Ganz bewusst schreibe ich von sexueller Gewalt, weil das Wort Missbrauch mir viel zu unverbindlich daherkommt.

Es ist in der Tat eine Zerreissprobe in dieser Kirche zu bleiben.

«Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt an einem seidenen Faden», schrieb kürzlich ein Journalist der katholischen Presseagentur. Für viele Menschen ist dieser Faden bereits gerissen. Die römisch-katholische Kirche hat ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Fast täglich werde ich gefragt: «Warum bleibst du dieser Kirche treu?» Immer öfter komme ich ins Stammeln. «Ich möchte sie nicht den ewig Gestrigen überlassen» oder, «Nur wer drin bleibt kann etwas bewirken…» So langsam aber sicher verkommen diese Antworten zu Worthülsen. Es ist in der Tat eine Zerreissprobe in dieser Kirche zu bleiben.

Wer Fragen stellt wird schnell eingedeckt mit gehässigen Kommentaren und Briefen. Sie glauben ja nicht, was ich alles zu hören bekomme von sogenannt «guten und rechtgläubigen» Katholikinnen und Katholiken. Nestbeschmutzerin hört sich da geradezu schön an. Und ich frage mich: Wer aber hat denn das «Nest» wirklich beschmutzt.

Sind es nicht jene, die nach aussen von Reinheit und Keuschheit geschwafelt haben und hinten herum die menschliche Würde von Kindern, Jugendlichen und Frauen aufs Gröbste verletzt haben? Sind es nicht jene, die davon wussten und das grausame Spiel der Vertuschung mitspielten und noch immer spielen?

Der Krisengipfel in Rom ist zu Ende. Die Bischöfe aller Welt seien jetzt auf Linie gebracht. Und das wars? Wo sind die konkreten Schritte? Unsere Kirchenleitungen haben noch immer nicht begriffen worum es geht. Ich bin erschüttert ob so wenig echter Empathie für die Opfer, die sich noch immer mit Worten wie beschämend und wir bitten um Vergebung genügen müssen.

Was ist eine Bitte um Vergebung, wenn nicht spürbar wird, dass sich etwas verändert an einem maroden, in sich krankhaften System?

Ich bleibe, mit allen Frauen, Männern und glaubwürdigen Priestern, die viel auf sich nehmen, dieser, unserer Kirche ein neues Gesicht zu geben, das Gesicht von Hoffnung und Vertrauen, das Gesicht Jesu.

Erstellt: 08.03.2019, 11:20 Uhr

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiterin der Katholischen Kirche St. Martin, Illnau-Effretikon/Lindau/Brütten.

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