Tribüne

Ein Versprechen

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Mit einem Versprechen hat es begonnen. Die junge Pflegefachfrau in Ausbildung macht ein Praktikum in einem Spital in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder Afrikas. Sie kämpft um das Leben eines unterernährten Kindes. Das kleine Mädchen stirbt. Tief erschüttert gibt die junge Frau dem Kind ein Versprechen: «Nie wieder darf so etwas geschehen.»

Ein grosses Versprechen. In die Schweiz zurückgekehrt, schliesst sie ihre Ausbildung ab. In ihrem Herzen trägt sie die Zukunft, die Vision von einem Waisenhaus in Burkina Faso. Ihr inneres Feuer begeistert auch eine Freundin. Zusammen reisen die beiden jungen Frauen zurück nach Afrika, mieten ein Haus und beginnen dieses aus eigenener Kraft zu renovieren. Schon bald nehmen sie die ersten Kinder auf. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden.

«Ich habe meine Kirche unterschätzt»

Seither sind zwölf Jahre vergangen. Drei Häuser konnten die beiden Frauen kaufen und herrichten. Gegen fünfzig Kinder, vom Säugling bis zum Jugendlichen, finden darin Heimat, ausgewogene Ernährung, liebevolle Erziehung, Schulbildung, medizinische Hilfe und eine Berufsausbildung.

Inzwischen leiten Einheimische die Waisenhäuser, die beiden Schweizerinnen kümmern sich um das Fundraising und halten die Fäden zusammen. «Ile du Bonheur » haben die beiden Frauen ihr kleines Werk genannt. Im wahrsten Sinn des Wortes ist dieser Ort eine «Insel des Glücks». Mit einem Versprechen hat es begonnen... Ich bin berührt und bewegt von diesem Engagement.

Auch ich habe ein Versprechen abgegeben, ein kleines nur und doch eines, das Menschen Wertschätzung entgegenbringt. Anfang Jahr habe ich zwei jungen, sich liebenden Frauen versprochen, dass ich ihnen den Segen Gottes mit auf ihren gemeinsamen Lebensweg geben werde.

Diese Woche nun fragten sie scheu nach. – Aber sicher halte ich meine Versprechen. Mit Freude werde ich mit diesen beiden Frauen ihre Lebensfeier gestalten, denn ich weiss nun sogar den Bischof hinter mir. Ich habe meine Lektion gelernt. Nein, die Kirche verteufelt Homosexualität nicht, sie geht respekt- und liebevoll und in voller Anerkennung auf diese Menschen zu. So wurde es mir gesagt.

Ich habe meine Kirche unterschätzt, ich habe mich geirrt. Unsere katholische Kirche hat sich dafür ausgesprochen, homosexuellen Menschen ihren Platz zu geben, einfach als Menschen unter Menschen. Welch befreiende Botschaft. Das ist Lichtblick und Versprechen zugleich, Menschen überall und immer in ihrer Würde anzuerkennen. Gott im Menschen sehen, im Kind in Afrika und im Mitmenschen hier neben mir.

Erstellt: 21.09.2018, 16:13 Uhr

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiterin der katholischen Pfarrei St. Martin, Illnau-Effretikon. (Bild: jb)

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