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Frühe Heimlichkeiten und später

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Als ich ein Kind war, da hab ich manchmal heimlich von der Kochschokolade genascht. Lecker war das. Und anstrengend. Dann nämlich, wenn ein Kuchen gebacken werden sollte und ich ein möglichst engelhaftes Gesicht aufsetzen musste, damit meine Mutter bei der familieninternen Investigation keinen Verdacht schöpfte.

Später aber, so nahm ich mir in diesen Momenten jeweils vor, wenn ich gross wäre, dann würde ich einen ganzen Schrank voll Schokolade haben und zwar nicht nur von der bitteren dunklen, sondern der süssen braunen mit Nüssen drin.

Ich würde eine ganze Schokolade essen, ganz alleine und ohne mir hinterher die Zähne zu putzen, jawoll!


Und ich würde auch niemanden fragen und mit niemandem teilen. Ich würde stattdessen schon zum Frühstück eine ganze Schokolade essen, ganz alleine und ohne mir hinterher die Zähne zu putzen, jawoll!

So hatte ich mir das vorgestellt. Hat aber irgendwie nicht geklappt. Dass das mit dem Zähneputzen nämlich nicht einfach nur eine Schikane der Eltern war, sondern durchaus gute Gründe hat, wurde mir spätestens dann klar, als ich meine Zahnarztrechnungen selber zahlen musste, und auch das mit dem Schrank voller Schokolade hat sich nicht bewahrheitet.

Einerseits deswegen, weil ich gemerkt habe, dass man das, was meine Mutter sonst noch im Schrank hatte, durchaus zum Kochen braucht und sich nicht einfach durch Kakao ersetzen lässt.

Andererseits und vor allem aber deswegen, weil ich unterdessen selber Kinder habe.

Wenn nämlich eine Tafel Schokolade im Schrank liegt, dann wissen das meine Kinder auch. Ich glaub, die haben dafür extra ein zusätzliches Hirnareal. Und so muss ich weiterhin meine Schokolade nicht nur teilen, sondern auch massvoll verzehren, denn schliesslich muss man den Kindern ja ein Vorbild sein.

Nur manchmal, wenn der Nachwuchs grad sich hat mit trockenen Haferguetsli abspeisen lassen und die Küche für fünf Minuten unbeobachtet ist, dann stopf ich mir hastig und hinter der Tür eine Reihe in den Mund. Meistens Kochschokolade, weil mal wieder keine andere da ist. Jetzt nur von niemandem was gefragt werden, sonst verrät mich mein voller Mund.

Meine Frau indes kommt mir jedes Mal auf die Schliche. Weil sie selber nämlich in diesem Moment genau die gleiche Idee hat und wir hinter der Küchentür zusammenstossen. Wie zwei Kinder. Die sich, statt vor den Eltern, vor den eigenen Kindern verstecken.

Erstellt: 09.04.2019, 16:53 Uhr

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