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Mond und Kugelschreiber

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Unter all den Geschichten rund um die erste Mondlandung, die sich diesen Samstag zum fünfzigsten Mal jährt, gefällt mir eine ganz besonders.

Nein, nicht die von Neil Armstrongs berühmten Worten beim Betreten der Mondoberfläche und auch nicht die von der Rede Anfang der Sechziger, in der John F. Kennedy – möglicherweise unter Einfluss seiner schweren Medikamente – einfach mal ins Blaue hinein versprach, es würden noch vor Ende des Jahrzehnts Astronauten zum Mond und zurück reisen, sehr zum Schrecken der Nasa-Wissenschaftler, die das selber noch gar nicht für möglich gehalten hatten.

Endlich fühle ich mich mal auf Augenhöhe mit den legendären Astronauten.

Gewiss, das sind tolle Storys, aber meine Lieblingsmondlandungsgeschichte ist die, die Buzz Aldrin mal erzählt hat, und zwar, dass sie beim Aussteigen aus dem Mondmodul versehentlich mit ihren Rucksäcken einen Schalter kaputt gemacht hätten und deswegen, als sie wieder zurück zur Rakete wollten, das Modul nicht mehr habe abheben können. Schliesslich hätten Aldrin und Armstrong dann einfach einen Kugelschreiber dort reingedrückt, wo der Schalter gefehlt habe, und seien so dann wieder vom Mond weggekommen.

Gefallen tut mir die Geschichte wahrscheinlich besonders deswegen, weil ich mich da endlich mal auf Augenhöhe mit den legendären Astronauten fühle. Ich, der ich schon beim Anblick des Riesenrads am Albani-Fest zittrige Beine bekomme, dürfte ja nicht mal bei einem Probetraining für angehende Weltraumforscher zuschauen, geschweige denn selber teilnehmen.

Aber versehentlich einen Schalter kaputt machen – da fühle ich mich absolut kompetent. Und auch die Idee, dann einfach mit einem Kugelschreiber was zu basteln, könnte von mir stammen. Schliesslich hab ich ja schon ganze Waschmaschinen mit Kleberli und Büroklammern geflickt. Zumindest temporär.

Am wichtigsten an dieser Geschichte aber ist wohl die Lektion, dass so grosse Dinge wie eine Mondmission mitunter an ganz kleinen Dingen hängen können. Und wenn wir es beunruhigend finden, dass schon ein Detail wie ein abgebrochener Schalter alles gefährden kann, dann sollte uns der zweite Teil der Geschichte Hoffnung machen.

Vielleicht hängen ja auch sonst die Lösungen jener unlösbar scheinenden Probleme, die uns quälen, mitunter an ganz kleinen Sachen – etwa an einem richtig eingesetzten Kugelschreiber.

Erstellt: 17.07.2019, 10:59 Uhr

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