Aufgefallen

Rikon liegt im Westen Indiens und «klingt hart»

Rikon: Längst nicht mehr nur ein Dorf im Tösstal.

Rikon: Längst nicht mehr nur ein Dorf im Tösstal. Bild: Nathalie Guinand

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Es gibt Orte, die sind längst keine Orte mehr, sondern Marken, in denen nebenbei noch ein paar Menschen wohnen: New York, London oder Paris sind gute Beispiele. Und wer erfolgreich ist, der wird oft kopiert, mit der Absicht, einen Teil des Glanzes zu erhaschen. Dass längst nicht nur Weltmetropolen davon betroffen sind, sondern mittlerweile auch ein Tösstaler Dorf wie Rikon, ist wohl der Globalisierung geschuldet.

So werden etwa in Morbi im westindischen Bundesstaat Gujarat Wanduhren unter dem Namen Rikon Quartz hergestellt. Auf der Website findet sich unter «The Rikon Story» leider keine Liebeserklärung ans Tösstal, dafür der Hinweis, dass man Uhren in «zahlreiche afrikanische Länder, den Nahen Osten und ins Vereinigte Königreich» exportiere. Zum Ursprung des Namens findet sich nichts, eine Anfrage bleibt unbeantwortet. Ebenfalls in Morbi, der Keramikstadt Indiens, befindet sich Rikon Ceramics, die Fliesen für Parkplätze produziert. In derselben Stadt hat Rikon Technoplast ihren Sitz, die Plastikgranulate verkauft. Auch hier lässt sich nichts über die Hintergründe der Firmennamen herausfinden.

Anders bei der amerikanischen Firma Rikon Tools, die Drechselmaschinen herstellt. Früher hiess sie «Richen», eine Verschmelzung der Namen Riley und Chen, den beiden Gründern. Um den Namen «härter klingen zu lassen», habe man später aber Rikon gewählt, heisst es aus dem Büro in Massachusetts. Wohl im Unwissen darüber, dass das Wappentier der Gemeinde Zell eine unharte Schnecke ist.

Doch ist die Verwendung von «Rikon» überhaupt zulässig? Die bekannteste Marke mit Rikon im Namen ist wohl die Pfannenfabrik Kuhn Rikon AG. «Diese ist im Zusammenhang mit Kochutensilien im weitesten Sinn weltweit geschützt», sagt der ehemalige Verwaltungsratspräsident Wolfgang Auwärter. Sprich: Wenn eine Firma etwa Fischereizubehör unter dem Namen Kuhn Rikon vertreibt, ist das legal. Den Namen Rikon alleine hat Kuhn nicht geschützt: «Das wäre Aufgabe der Gemeinde.» Kuhn besitze bereits seit langem eine Vereinbarung, «Rikon» für ihre Produkte verwenden zu dürfen.

Auwärter erhält jede Woche mehrere Meldungen von Markenregistern aus aller Welt, in denen ihre geschützte Marke verletzt wird: «Wir müssen selten klagen, meistens können wir während der Einsprachefrist reagieren.» Dabei geht es nicht nur um die exakt gleiche Schreibweise, sondern auch um phonetische Schriftweisen, wie etwa jene asiatische Firma, die «Kühn Likon»-Produkte verkaufen wollte.

Erstellt: 09.11.2019, 09:57 Uhr

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