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Roger Köppel holt fremde Richter ins Kinderzimmer

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Dass einmal eine politische Podiumsdiskussion Stoff für diese Kolumne abgeben würde. Ich hätte es nicht gedacht. Aber mit Roger Köppel ist eben alles möglich.

Also: Diesen Sonntag in Rikon, eine Matinee zur Selbstbestimmungsinitiative. Hundert Leute im Schulsaal hören zu, vorne sitzen und diskutieren Roger Köppel, SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chef, und Philipp Eng, Jungfreisinniger aus Solothurn. Und da geht es plötzlich um Kinder: Köppel sagt, er habe seinen Kindern, knapp im Schulalter, die Selbstbestimmungsinitiative erklärt. Als Familienvater und Moderator frage ich nach.

Er habe, Roger Köppel erzählt es gerne, seine Kinderbande versammelt und gesagt: «So, wir stimmen jetzt darüber ab, ob wir in unserem Haus Videospiele verbieten. Wer ist dagegen?» Drei kleine Hände gehen hoch. «Wer ist für ein Verbot?» Köppel selbst stimmt Nein. Er fragt: «Und? Gibt es jetzt Videospiele bei uns?» Ja, ja, habe der Nachwuchs da geantwortet, sie seien ja in der Mehrheit. Köppelkontert: «Nein, bei uns gilt ein Videospielverbot, weil unsere Nachbarn das so wollen.» Das Publikum lacht und klatscht.

Und doch fragt man nach: Selbstbestimmung wäre jetzt ja, Videospiele zuzulassen. Ist bei Köppels zu Hause jetzt Gamen und Spielhölle angesagt? Da stockt der wortgewandte Abstimmungskämpfer. Der Strohhalm: Seine Frau sei dann aufgetaucht, also quasi eine höhere Instanz. Wieder wird geschmunzelt und gelacht im Publikum. Podium fertig und Apéro.

Die Moral von der Geschicht ist vielschichtig. Erstens: Wenn es um die eigenen Kinder geht, dann ist offenbar sogar Roger Köppel – man verzeiht es ihm als Vater gerne – so stolz, dass er darob vergisst, seine schönen Geschichten zu Ende zu denken. Zweitens: Der Trick mit den fremden Richtern aus der Nachbarschaft als Erziehungsinstanz ist gar nicht so schlecht, den kann man sich merken. Drittens: Gut, dass sich die Bundesrichterin (oder was ist die Frau in der Schlussszene anderes?) und die Richter aus Strassburg in dieser Geschichte einig sind, sonst würde es dann so kompliziert, dass auch die Kinder nicht mehr drauskommen. Viertens: Vorsicht beim Einführen der direkten Demokratie im Kinderzimmer. Da habe auch ich durchzogene Erfahrungen gemacht.

Und übrigens: An der Podiumsdiskussion am Sonntag war tatsächlich ein Kind anwesend. Ein Junge sass während der ganzen, grossen Debatte über Demokratie, EU, Bundesrichter, Volks- und Völkerrecht in der ersten Reihe – und spielte auf einem Tablet ein Computerspiel. (Landbote)

Erstellt: 20.11.2018, 09:02 Uhr

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