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Wer betrügt hier wen?

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Rund 166 Millionen Franken ist die Summe, auf welche sich der im letzten Jahr durch Wirtschaftskriminalität entstandene Schaden beläuft – so ist es in einem diese Woche veröffentlichten Bericht zu lesen.

Das ist eine imposante Summe und dabei noch untertrieben, denn erfasst wurden nur jene Fälle, die tatsächlich vor Gericht kamen. Nicht mitgerechnet sind somit nicht nur all jene Delikte, die gar (noch) nicht aufgedeckt worden sind, sondern auch jene, die man lieber aussergerichtlich geregelt hat, weil man die eigene Firma nicht in den Schlagzeilen sehen wollte.

Ob nun einigen Firmen ein Licht aufgeht, warum es auch wirtschaftlicher wäre, die eigene Belegschaft nicht bloss als «Human Resource» zu verstehen?

Und noch etwas ist interessant: Der grösste finanzielle Schaden entstand intern, durch Manager und Angestellte also, die die eigene Firma betrogen haben. Auf die Frage, wie man solch ein kriminelles Verhalten gegen den eigenen Arbeitgeber verhindern könnte, hat die Leiterin der Ermittlungsabteilung darauf hingewiesen, dass interner Betrug umso weniger vorkomme, je mehr die Angestellten sich mit der eigenen Firma identifizieren. Das klingt plausibel: Wo man sich zugehörig fühlt, betrügt man weniger, weil man sich ja dann nur selber schaden würde.

Ob nun vielleicht einigen Firmen ein Licht aufgeht, warum es eben nicht nur netter, sondern schlicht wirtschaftlicher wäre, die eigene Belegschaft nicht bloss als auswechselbare «Human Resource» zu verstehen? Und ob es die richtigen Werte vermittelt, wenn man als CEO nimmt, wer möglichst rücksichtslos (im Wirtschaftsjargon heisst das «Biss») agiert?

Dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen Wirtschaftskriminalität und Sparübungen wie etwa der, dass man im Betrieb keine festen Arbeitsplätze, sondern nur noch mobile Arbeitskojen hat, das steht im Bericht natürlich nirgends. Und doch scheint es mir logisch, dass wenn einem schon die Firma vermittelt, dass man nur Manövriermasse darstellt, man umgekehrt wohl auch keine grosse Fürsorglichkeit entwickeln wird.

So verliert die Firma, was sie bei der Belegschaft erfolgreich eingespart hat, nachher einfach wieder als Folge von deren fehlender Identifikation mit dem Betrieb. Und zahlt noch drauf dabei. Auch so kann man im grossen Stil bescheissen: nämlich sich selbst.

Erstellt: 13.02.2019, 10:25 Uhr

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