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Ab in die Wüste mit diesem Zeug!

Die Suche nach einem geeigneten Standort für ein Endlager dauert schon Jahrzehnte. Nur an eines hat bisher offenbar niemand gedacht: An einem Wahl-Podium schlug ein SVP-Kandidat vor, die Schweiz könnte ihren radioaktiven Müll statt im Zürcher Weinland doch auch in der Sahara vergraben.

Zugegeben, im ersten Moment tönt das abwegig: Der Aufwand wäre sicher beträchtlich. Man denke nur an die Verhandlungen. Vor dem inneren Auge stelle ich mir sofort Bundesräte vor, die mit Beduinen diskutieren, unter Sternenhimmel und in Zelten natürlich. Hinzu kämen Fahrzeuge für 3-D-Seismik, Material für Probebohrungen und erst noch die vielen Experten: Alles müsste aufs Frachtschiff verladen werden.

Es gibt in der Region einiges, das man ebenfalls in die Wüste schicken könnte, damit sich der Aufwand wenigstens lohnt.

Sehr gefordert wäre die Nagra auch kommunikativ. Sie müsste vorbeiziehende Nomaden ansprechen, um sie auf das Tiefenlager vorzubereiten. All die Stellwände, die sonst in Turnhallen im Weinland präsentiert werden, müssten übersetzt und mit Rädern mobil gemacht werden. Zudem wäre ein Notfallkonzept für Versammlungen mit der Bevölkerung nötig. Mit Sandstürmen oder einer Fata Morgana ist nicht zu spassen. Man kennt das aus «Tim und Struppi».

Auf den zweiten Blick erscheint die Idee hingegen praktisch. Es gibt in der Region nämlich einiges, das man ebenfalls in die Wüste schicken könnte, damit sich der Aufwand mit dem Tiefenlager wenigstens lohnt.

Ich denke da etwa an das Schlossguet, das in Turbenthal seit Jahren leer steht. Oder an den Löwen in Elgg, der immer wieder zu geht. Abbrechen und ab in die Wüste damit! Sollen sich doch andere darum kümmern. Manchem Gemeinderat würde bestimmt noch einiges mehr zur Entsorgung einfallen. In die Wüste schicken könnte man im übertragenen Sinn aber vor allem eines: Inhaltsleere Wahlkampfsprüche, die hin und wieder an Podien geäussert werden.

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