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Allein unter Frauen

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Diese Situation habe ich schon länger nicht mehr erlebt: Plötzlich war ich wieder einmal in einem Raum der einzige Mann, rundum nur Mütter und Kinder. Vor 13 Jahren, zu Beginn meiner Karriere als Vater, ist mir das häufiger passiert.

Ein harter Einstieg war das Babyschwimmen. Schon bei den Gesprächsthemen (von Beckenbodentraining bis Milchstau) fühlte ich mich eher als Aussenseiter. Geradezu gemobbt kam ich mir vor, als mich eine Jungmutter fragte, ob ich denn arbeitslos sei, dass ich am Mittwochmorgen immer Zeit hätte.

Wenn die Kleine schrie, merkte ich, was man von meinen Kompetenzen als Kinderbetreuer hielt.

Beim Anschubsen der Babyschaukel auf dem Spielplatz war ich damals werktags ebenfalls meist der einzige Vater. Beim Einkaufen mit dem Kinderwagen genauso, wie auch im Bus mit dem umgebundenen Kleinkind im Ergo-Carrier. So lange alles rund lief eine gute Erfahrung: Ich erntete anerkennende Blicke von Müttern und Grossmüttern.

Doch wehe die Kleine schrie. Dann merkte ich, was man von meinen Kompetenzen als Kinderbetreuer hielt. «Hat das Kleine Hunger?», «Sie müssten dem Baby sicher einmal die Windeln wechseln?» oder sogar: «Wo ist denn die Mutter des Kindes?» Zerknirscht antwortete ich jeweils «Gute Idee.», «Oh ja, danke.» oder sonst etwas Nettes, und dachte: Kümmert Euch einfach um Euren eigenen Quatsch.

Unterdessen wurde das Wort «Papitag» erfunden. Die Väterquote auf Spielplätzen ist die ganze Woche über akzeptabel. Und auch im Bus und im Coop sehe ich heutzutage so viele Männer mit Babywagen, dass man meinen könnte, die Gleichberechtigung komme auch in der Schweiz langsam voran.

 Die Betreuung beim Stich in den Arm ist offenbar nach wie vor eine klare Mutterdomäne.

Doch nun eben, plötzlich der Rückfall, vorletzten Mittwoch war ich der einzige Vater im gut gefüllten Wartezimmer des schulärztlichen Dienstes. Impftermin. Die Betreuung beim Stich in den Arm ist offenbar nach wie vor eine klare Mutterdomäne. Ausser dem Arzt, der dann zustach, bestand auch das Personal ausschliesslich aus Frauen. Eine gute Umgebung, um über Geschlechterrollen nachzudenken.

Diese Woche muss ich zwei Töchter zum Kieferorthopäden begleiten. Statt mit einer kleinen Nadel zu pieksen, wird er mit der Zange zu Werke gehen, um schiefe Zähne aus dem Weg zu räumen. Meine Frau warnt mich vor: Da quillt das Blut nicht nur tröpfchenweise. Mich deshalb zu drücken war unmöglich, denn es waren nur Termine am Mittwoch frei. Immerhin die nächste Gelegenheit, um Gender Studies zu betreiben. Erwartete Mutterquote im Wartezimmer: 100 Prozent.

Erstellt: 20.05.2019, 16:45 Uhr

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