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Alles für den Kindergarten

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Wenn Sie diese Zeilen lesen, hilft vielleicht gerade eine Schuhverkäuferin einem Vierjährigen Kind in ein paar Grätschüeli. Schliesslich ist heute die beinahe letzte Gelegenheit für Auf-den-letzten-Drücker-Eltern, sich durch den Mitbring-Katalog für den 1. Kindergarten zu ackern. Und da stehen neben Chindsgi-Täschli, Zahnbürsteli und einem Pack Nastüechli auch geschlossene (!) Finken und Grätschüeli auf der Liste. Schuhe kaufen!

Eltern wissen nur zu gut: Das gehört neben Medikamente verabreichen und dem wasserscheuen Nachwuchs die Haare waschen zu den mühsameren Pflichten, die es im Zusammenhang mit Kindern gibt. Kinderschuhverkäuferinnen sind für mich deshalb Heldinnen des Alltags. Sie haben einen Knochenjob! Kinder sind ja grundsätzlich anspruchsvolle Kunden: Eben noch wollen sie die Dino-Finken, die es in der richtigen Grösse aber nicht hat.

Kinderschuhverkäuferinnen sind für mich Heldinnen des Alltags.

Kaum kommt die Verkäuferin mit der richtigen Grösse aus dem Kellerlager wieder nach oben, ist der Dino total passé und ein Ferrari-Rennauto soll es sein. Viel schlimmer als die Kinder sind allerdings die Eltern! «Wettsch nöd lieber die bruune Wollwalk-Finke?», fragen sie das Mädchen, das versonnen die pinken Lillifee-Ballerinas bestaunt. Und wenn wie jetzt – eine Woche vor Schulstart – alle gleichzeitig Schuhe kaufen gehen, wird das Ladenlokal zum Treffpunkt für Mütter und Väter, die sich schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen haben.

Ein grosses Hallo, «sinder au underwägs?», Küsschen da, Küsschen dort, «wie gahts eu so? Wow, dini Chliine sind ja mega gross worde…» – Smalltalk in seiner höchsten Ausformung, während die Verkäuferin daneben steht und ebendiesen «Chliine» nun doch gerne endlich mal die Schuhe anziehen würde, die sie gerade in der richtigen Grösse aus dem Keller geholt hat – nun auch noch im Ferrari-Look, versteht sich. Dass bei all diesem Schuh-Tohuwabohu die Geduld nicht verloren geht und kein einziger entnervter Seufzer zu hören ist, rechne ich den Verkäuferinnen hoch an.

Einen besonderen Toast spreche ich auf die junge Verkäuferin aus, die im rappelvollen Schuhgeschäft in der Marktgasse mit einer Engelsgeduld mit den Kindern auf dem Boden sitzt, um ihnen auf Augenhöhe Schuh um Schuh anzuprobieren. Ihr verleihe ihr an dieser Stelle feierlich einen Wimpel für «die geduldigste Schuhverkäuferin eine Woche vor Schulstart», angetroffen im Walder in der Marktgasse. Ich darf das. Denn ich war selber dort. Und: «De Chlii» der Bekannten ist übrigens tatsächlich wahnsinnig gewachsen.

A propos: Ein Task ist auf der Zu-Besorgen-Liste noch offen: Die Malschürze. Mit Einhorn sollte sie sein, findet die Tochter. Stand jetzt. Ob es in einer halben Stunde nicht eher eine Prinzessin sein sollte, kann ich nicht ganz ausschliessen. Wenigstens gibt es Malschürzen nur in einer Grösse.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.08.2018, 16:48 Uhr

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