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Alter Sack, neue Sprünge

Johannes Binotto über die Tücken von Breakdance-Einlagen und dergleichen.

Wenn man unterrichtet – so hab ich letzte Woche in den Ferien im Schnee mit meiner Frau diskutiert –, dann ist ja eine der Schwierigkeiten, dass man zwar selber älter wird, die laufend wechselnden Studierenden aber immer gleich jung bleiben. Darauf hat sich dann unser grösserer Sohn ins Gespräch eingeschaltet, wohl in Sorge um meinen leicht deprimierten Gemütszustand, und gab eine Idee zum Besten, wie ich mir in Zukunft einen jugendlicheren Anschein geben könnte.

«Du könntest doch», hat er gemeint, «bei deinen Vorträgen immer erst im allerletzten Moment auftreten und dann mit einem Sprung auf die Bühne, so wie das die Musikstars machen.»

Von daher glaube ich, dass die gut gemeinte Idee meines Sohnes wohl eher kontraproduktiv rauskäme

Ganz offensichtlich hab ich meinem Sohn noch nie die Geschichte erzählt, wie ich bei der Hochzeitsfeier von engen Freunden meiner Frau mal beim gemeinsamen Tanzen zwar nicht auf die, sondern von der Bühne gesprungen bin. Ich wollte einen jener Rock-’n’-Roll-Hüpfer machen, für die ich zu Schulfest-Zeiten berüchtigt gewesen war.

Nur hab ich mir dann dabei so das Knie gestaucht, dass ich mich nicht nur den Rest des Abends, sondern während der nächsten zwei Wochen humpelnd fortbewegte. Und auch meine schwungvoll begonnene und dann sehr viel weniger schwungvoll beendete und mit reichlichem Ächzen untermalte Breakdance-Einlage beim Geburtstagsfest von Marlene vor zehn Jahren ist bis heute allen in Erinnerung, die dabei waren.

Von daher glaub ich, dass die gut gemeinte Idee meines Sohnes wohl eher kontraproduktiv rauskäme, wenn ich sie denn tatsächlich auszuführen versuchte. Meine Frau jedenfalls, die bei zahlreichen meiner Sprungversuche und den jeweils anschliessenden Rekonvaleszenzen dabei war, konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, als sie den Vorschlag hörte.

Und als ich mir vorstellte, wie das wohl rauskommen würde, wenn ich beim nächsten Vortrag vor versammeltem Publikum ans Mikrofon hechten und dabei ganz bestimmt mit den Füssen am Bühnenrand hängen bleiben und Kopf voran ins Rednerpult donnern würde, musst auch ich so lachen, dass ich doch prompt auf dem vereisten Boden beinahe ausgerutscht und auf den Hintern gefallen wäre.

Ich glaub, auch mein Sohn hat da eingesehen, dass es bei mir bezüglich jugendlicher Fitness wohl eher vorbei ist. Aber kindliche Tolpatschigkeit wirkt ja auch sympathisch, und die hab ich offensichtlich immer noch voll drauf!

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