Lomo

Aufwachritual, mit Katzenbeteiligung

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Wir haben zu Hause eine Katze. In Wahrheit ist es aber natürlich umgekehrt: Die Katze hat uns. Alle, die selber auch mit einer Katze im Haushalt zusammenleben, wissen, dass ich die Wahrheit sage. Da meinte man vielleicht zu Anfang noch, man lege sich ein Haustier zu, nur um dann herauszufinden, dass mit der Katze in Wahrheit der neue Wohnungsbesitzer eingezogen ist. Wir dürfen zwar weiterhin Miete bezahlen, sind aber eigentlich nur Besucher im Revier des Chefs in Pelz, der fortan autoritär unseren Alltag bestimmt. Ist eine Tür geschlossen, welche die Katze lieber offen hätte, wird so lang gemaunzt, gekratzt und gescharrt, bis jemand von uns Bediensteten sie aufmacht. Mit Dressur sei bei Katzen nichts zu wollen, sagt man. Das stimmt nur in die eine Richtung. Uns jedenfalls dressieren die Katzen ziemlich gut. Wenn ich mich zum Beispiel auf dem Sofa allzu lustvoll in einen Comic versenkt habe, dann kann ich sicher sein, dass sich bald schon unsere Katze nicht einfach zu mir, sondern in meinen Comic hineinlegt. So wird effizient jegliche Lektüre unterbunden, und ich werde zu dem gezwungen, wozu ich in den Augen meiner Katze überhaupt gut bin: zum Kraulen ihres Fells.

Wir dürfen zwar Miete bezahlen, sind aber eigentlich nur Besucher im Revier des Chefs in Pelz.

Neuerdings hat unsere Katze bei ihrem Erziehungsprogramm noch ein paar Gänge raufgeschaltet. Und zwar hat sie sich angewöhnt, des Morgens mich und meine Frau nicht einfach nur in jene Zehen zu beissen, die unter der Decke hervorlugen, sondern sie hat herausgefunden, wie man zur frühmorgendlichen Aktivierung Massenmedien einsetzt: Die Zeitung, die auf dem Nachttisch liegt, raschelt schön laut, wenn man mit den Pfoten bis zu den vermischten Meldungen vorblättert, und Bücherstapel poltern besonders laut, wenn man sie gezielt zu Boden schmeisst. Vor allem aber die Stereoanlage hat es ihr angetan. Unterdessen weiss nämlich unsere Katze exakt, wie sie sich auf die Anlage setzen muss, um den Einschaltknopf fürs Radio zu drücken. Das führt dazu, dass wir auch heute wieder statt von sanften Sonnenstrahlen von dröhnender Rockmusik in den Tag katapultiert wurden. Das Gerät ausschalten und weiterschlafen war nicht möglich. Denn offenbar fand die Katze jene Vibrationen der Anlage eine derart angenehme Massage, dass sie jeden Versuch, die Musik auszuschalten, mit gefletschten Zähnen und ausgefahrenen Krallen abwehrte. Nun ja, werden wir uns also daran gewöhnen müssen, in Zukunft auch mit hundert Dezibel im Ohr noch schlafen zu können. Die Dressur geht weiter.

Erstellt: 20.03.2019, 10:52 Uhr

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