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Awa will spielen

Wenn Sie diese Zeilen lesen, sitzt Awa vielleicht gerade glücklich im Sandhaufen und buddelt mit den Händen im Matsch. Awa ist fünf Jahre alt, hat kurze, krause Haare und ein Zahnlückenlachen, das mitten ins Herz geht. Wenn Awa auf dem Spielplatz andere Kinder entdeckt, beginnen ihre dunklen grossen Augen zu leuchten.

Auch an diesem verregneten Freitag auf dem Spielplatz im Eulachpark in Winterthur Hegi. Neugierig reckt sie ihren Kopf zu den wenigen anderen Kindern, die sich bei diesem Wetter ebenfalls aus dem Haus gewagt haben. Wenn Awa mit einem anderen Kind Kontakt aufnehmen will, tut sie das mit dem immer gleichen Laut, denn sprechen kann Awa nicht.

«Zerebralparese» lautete die Diagnose, nachdem Awas Hirn bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen hatte. Sie ist etwa auf dem Entwicklungsstand einer Zweijährigen. Mit ihrer Brille mit dem Gummiband, den pinken Hörgeräten, den schlaffen Händen und dem kleinen Rollstuhl, der jetzt neben dem Sandkasten steht, fällt Awa auf.

«Schaut nicht weg, sondern hin. Schweigt nicht betreten, sondern findet Worte für das, was euch durch den Kopf geht»

Sie ist ein Hingucker – und gleichzeitig ein Weggucker. Mit ersterem kann ihre Mutter Maja gut leben, das andere macht sie traurig. «Dass andere Kinder Awa manchmal länger fixieren als üblich, finde ich ganz normal», sagt sie und versucht jeweils, diesem authentischen Verhalten mit Offenheit zu begegnen. «Wettsch öppis wüsse?», frage sie dann gerne, und versuche so eine Brücke zu schlagen zwischen Awa und den anderen.

Sowieso, erzählt mir Maja beim Sandkasten-Talk unter Müttern, sei Fragen das Beste bei Unsicherheiten gegenüber ihrem Kind. Vor allem bei Erwachsenen erlebe sie öfters, dass diese sich bewusst von Awa abwenden oder ihre Kinder von ihr wegziehen würden. «Awa ist so kommunikativ, auch wenn sie nicht reden kann», sagt Maja.

Es bräuchte nur ein bisschen Unterstützung von den anderen Eltern, um einen Austausch anzuregen. «Man redet immer von Integration und Inklusion», sagt sie, «aber wenn ich sehe, dass es im Sandkasten nicht funktioniert, macht mich das nachdenklich.»

Deshalb liefert Maja auch gleich eine Anleitung zum Umgang mit besonderen Kindern wie ihrer Tochter: «Schaut nicht weg, sondern hin. Schweigt nicht betreten, sondern findet Worte für das, was euch durch den Kopf geht oder interessiert. Schliesst nicht aus, sondern baut Brücken – indem ihr euch überlegt, was ihr euch in einer solchen Situation wünschen würdet.»

Wenn Awa Sie demnächst aus dem Sandhaufen anstrahlt, gehen Sie hin und grüssen Sie sie. Sie wird sie mit einem bezaubernden Lachen belohnen.

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