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Beipackzettel für Pantoffeln

Zu unserem unstillbaren Ab- und Versicherungsbedürfnis, über das ich letzte Woche geschrieben habe, gehört auch, dass wir zu allem und jedem immer noch einen Beipackzettel kriegen, der uns klare Anweisungen gibt. Keine Scheibe Fleischkäse kann man kaufen, ohne dass einem das als «Serviervorschlag» betitelte Bild auf der Packung einen Tipp gibt, wie man sich diese Scheibe auf den Teller legen soll.

Natürlich sind Benutzungsanweisungen oft sinnvoll, wie etwa bei Medikamenten, wobei dort die Gefahr ist, dass man beim blossen Lesen des Beipackzettels noch kränker wird, als man ohnehin schon ist. Denn wer würde nicht Schüttelfrost und Panikattacken kriegen beim Durchlesen der kompletten Aufzählung, was eine Kopfwehtablette alles für Nebenwirkungen haben kann?

Und auch die Waschzettel bei Kleidungsstücken, die einem sagen, wie, mit was und wie heiss der Pulli zu reinigen ist, sind eigentlich ja sinnvoll und praktisch. Nur wundere ich mich dort immer wieder drüber, wo diese Waschzettel angebracht sind. Ausgerechnet im Nacken, dort, wo ich ohnehin nicht gerne und schon gar nicht den ganzen Tag über gekrault werden will, bringen die Modehäuser ihre Informationsschilder an, damit mir diese dann bei jeder Kopfbewegung den Hals wund scheuern.

Zwei Wochen bin ich nun mit dem Gefühl durch die Wohnung geschlurft, dass ich andauernd an den Füssen gekitzelt werde.

Der Gipfel des Absurden aber ist der Infozettel in meinen neuen Fellpantoffeln für den Winter. Der ist nämlich schön tief im Schuh drin angenäht, wo man ihn kaum lesen, dafür aber bei jedem Schritt spüren kann. Und obwohl man Pantoffeln ja gewöhnlich im Duo kauft und somit annehmen darf, dass der linke Schuhe aus demselben Material gefertigt ist wie der rechte, hat der Hersteller sich nicht lumpen lassen und grosszügigerweise gleich in beide Finken je einen Zettel genäht.

Zwei Wochen lang bin ich nun mit diesen Pantoffeln durch die Wohnung geschlurft, mit dem nervenzerrüttenden Gefühl, dass ich andauernd an den Füssen gekitzelt werde. Stiefel, in die ein Kieselstein geraten ist, kann man wenigstens auskippen.

Die Zettel in meinen Finken aber waren hineingenäht worden, um zu bleiben. Irgendwann hab ich es dann doch nicht mehr ausgehalten, habe die Schere gezückt, um im Dickicht des Schaffells die Zettelnaht zu finden und aufzutrennen.

Ich habe das dann auch irgendwann geschafft. Seither kitzelt mich dort kein Schildchen mehr, aber dafür zieht es dort in den Pantoffel rein, weil ich bei meiner Scherenoperation natürlich nicht nur grossflächig Fell gestutzt, sondern mitsamt der Zettel- auch gleich die Schuhnaht geöffnet habe. Kitzeln oder frieren, Beipackzettel oder Nebenwirkungen – das ist die Frage.

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