Tribüne

«Besseres Winterthur»

Eva Ashinze erklärt wie Reykjavik Winterthur noch besser machen könnte.

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«Vor Kurzem war ich ferienhalber in Island. Bei einer Stadtrundfahrt hat der Guide nicht nur auf Sehenswürdigkeiten in Reykjavik sondern auch auf Ergebnisse von «Betri Reykjavik» - besseres Reykjavik - verwiesen: Ein künstlich geschaffener Teich, eine neue Busverbindung, ein Spazierweg. «Betri Reykjavik» ist eine digitale Plattform, über welche alle Bewohner der Stadt Projekte einreichen können, die das Leben in Reykjavik noch lebenswerter machen.

Jede Idee, die in den Augen des Urhebers zur Stadtverbesserung beiträgt, ist erlaubt. Die Projekte reichen von Basketballkörben über Eisklettern am Rathaus bis zu Smart City-Ideen und einem neuen Strassenabschnitt, der gebaut werden soll.

Die Stadt prüft die eingegangenen Ideen, pro Jahr sind es um die 1000, wobei politische Aspekte bewusst ausser Acht zu lassen sind. 200 der Vorschläge werden anschliessend über die Plattform «Betri Reykjavik» der Stadtbevölkerung zur Wahl vorgestellt. Was gewählt wird, muss zwingend auch umgesetzt werden. Dafür stellt Reykjavik sechs Prozent des jährlichen Infrastrukturbudgets zur Verfügung, etwa vier Millionen Schweizerfranken.

Wie können wir Winterthurer unsere Stadt noch besser, noch lebenswerter machen? 

Winterthur ist eine lebenswerte Stadt, keine Frage. Wir haben eine autofreie Altstadt, viele Grünflächen, eine gut funktionierende Infrastruktur, Naherholungsgebiete. Auch bei den Innovationen steht Winterthur nicht hintenan, siehe zum Beispiel intelligente LED-Leuchten im Eichliackerquartier. Wir Winterthurer haben die Möglichkeit, uns via politische Prozesse in die Gestaltung der Stadt einzubringen, allenfalls auch durch Anregungen oder via Miteinbindung der Quartiervereine. Nichts davon ist aber so direkt und niederschwellig wie «Betri Reykjavik».

Direkte Mitgestaltung macht zufrieden und schafft Vertrauen - gegenseitig. Die Behörde vertraut dem Bewohner, dass er das Beste für die Stadt will. Umgekehrt vertraut der Bewohner der Behörde, denn diese hört auf ihn und setzt Projekte um. Ein «Besseres Winterthur» wäre ein spannendes Experiment. Wie können wir Winterthurer unsere Stadt noch besser, noch lebenswerter machen? Mit welchen Ideen bringen wir uns ein?

Am beliebtesten sind Sitzbänke, verrät der Guide. Kein Projekt wird öfter eingereicht. Sitzbänke - eine «Kleinigkeit», die Menschen zusammenbringt, für eine Auszeit sorgt und einfach glücklich macht. Dies weiss auch Winterthur - spätestens seit der Bänkli-Wegrationalisierung von 2017.

Erstellt: 29.11.2019, 11:10 Uhr

Eva Ashinze
ist Anwältin und Krimiautorin und lebt mit ihrer Familie in Winterthur. (Bild: Madeleine Schoder)

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