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Danke, Elle, danke, Speiche, und danke, lieber Oberarm

Der Ellenbogen korrigiert gerade erfolgreich sein Imageproblem.

Winterthur Hauptbahnhof, letzten Montag kurz nach 10 Uhr: Die S-Bahn fährt ein. Ein rüstiger Senior, Typ Seemann mit Prinz-Heinrich-Mütze, will einsteigen. Schon fast schwungvoll drückt er den Knopf – mit dem Ellbogen. Als würde er den Zug wie einen guten alten Kumpel mit einem zünftigen Stoss in die Rippen begrüssen und losposaunen: «Na, du altes Fahrgestell? Immer frisch geölt und gut geschmiert?» Eine komische Szene. Der Stadtverbesserer kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Mit der Hand kann der Ellbogen noch nicht mithalten, aber...

Natürlich ist die Lage ernst. Doch mit der Corona-Krise rehabilitiert sich der Ellbogen als Ersatzhand gerade spielerisch im Alltag. Karl Lüönd hat uns in seiner letzten «Landbote»-Kolumne wunderbar eine kleine (Kultur-)Geschichte des Handschlags erzählt.

Der Ellbogen kann da nicht mithalten, im Gegenteil. Er hat ein handfestes Imageproblem. Als Kind schlug man ihn sich beim Sturz vom Velo auf. Am Esstisch wurde man gemassregelt, wenn man die Suppe mit Wonne, aber «wie ein Bauer» löffelte. Die Erwachsenen stören sich an der trockenen Elefantenhaut, die über dem Höcker schrumpelt. Jeder weiss, wie es blitzt und kribbelt, wenn man das Narrenbein anschlägt, diesen überempfindlichen Nervus ulnaris! Und ist die Schlange beim Anstehen mal wieder ellenlang, verdrehen alle die Augen.

Der Ellbogen steht sprichwörtlich für den verwegenen Dummen, schlagen Sie es im Idiotikon nach: «Es fehlt nid am Elleboge, aber …», sagte man früher und tippte sich an die Stirn. Ja, noch schlimmer: Wen man am «Ellboge erwütschte», dessen grosse Lüge wurde gerade enttarnt. Wen wundert es da, dass die «Ellbogengesellschaft» 1982 zum Unwort des Jahres gekürt wurde? Ellbogen, Konkurrenzwerkzeug!

Nun sind wir froh, dass wir ihn haben und zur Not benutzen können, um zu grüssen oder eben, um die Tür zu öffnen. Mit ihm können wir uns nicht ins Gesicht fassen, und so schützt er uns vor uns selber. Deshalb: Danke, liebe Speiche! Danke, Elle! Danke, Oberarm! Und merci, liebe Elefantenhöckerchen! Ihr seid grossartig und gerade zum Symbol für Vor- und Rücksicht geworden. Hoffentlich bleibt das auch so, sodass wir spätestens im Mai wieder einhaken, mit den Ellbogen.

Und ihr, liebe Hände, seid erst einmal zum Waschen da.

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