Lomo

Das Feuer und ich

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ja, das Feuer und ich – da liesse sich viel sagen. Fragen Sie nur mal meine Mutter. Ich bewundere sie ja noch immer für diesen pädagogischen Geniestreich, wie sie damals, als ich im Primarschul- und Zäuselalter war, meine stark pyromanische Veranlagung in weniger lebensbedrohliche Bahnen lenkte, indem sie kurzerhand auf dem Rasenplatz bei uns vor dem Haus eine Feuerwanne in der Erde einbuddelte, wo ich dann jeden Abend im grossen Stil Lagerfeuer machen konnte.

Nur wenige Wochen zuvor hätte ich ja um ein Haar den Dach­boden bei Freunden der Familie in Norddeutschland abgefackelt und mich wahrscheinlich dabei gleich mit.Ich hatte aber noch mal Glück und dazu verständige Eltern, die wussten, dass es viel effizienter war, mit mir den sicheren Umgang mit Feuer zu trainieren, statt mich auf Zündholzentzug zu setzen.

Masshalten war nie mein Ding und Geduld auch nicht. 

Ich hab jedenfalls in jenem Sommer bei der Wanne im Garten so viele Feuer gemacht, dass es für drei Köhlerkarrieren reichen würde. Seither lassen mich Flammen ein bisschen kälter. Was sich etwa auch daran zeigt, dass ich mich immer seltener drum reisse, beim Gartenfest den Grill zu bedienen. Andere kriegen da ja immer gleich ein Glühen in den Augen und ein Brennen in der Seele, wenn sie eine Grillzange sehen.

Ich weniger. Ist aber auch besser so. Denn obwohl meine vielen Maximalfeuer aus der Kindheit mir vieles beigebracht haben, so hab ich dabei doch nie das Kochen auf kleinerer Flamme gelernt. Das hat zur Folge, dass ich, wenn ich am Grill steh, unweigerlich zu viel Holzkohle aufschütte. Tja, Masshalten war halt nie mein Ding und Geduld auch nicht.

Und ausserdem sind mir immer noch all jene Zmittagspausen auf den diversen Schulreisen in schlechter Erinnerung, wo man regelmässig gezwungen war, über dreieinhalb glimmenden Holzstöckchen 20 Cervelats zu bräteln. Am Ende kam es dann, wie es auf der Schulreise immer kam: Die Wurst war aussen höchstens lauwarm und innen garantiert noch kalt.

So was wird es indes bei meinen Grilladen nicht geben. Und um das sicherzustellen und in Reverenz an die immensen Feuer in der Metallwanne vor dem Elternhaus schütte ich jeweils mindestens den halben Kohlesack in die Grillkugel, sodass auch der Grillrost schön glüht und ich beim Nierstückwenden meinen Unterarm auch noch gleich mitgaren kann.

Meine Würste werden dann zwar innen immer noch so wie auf der Schulreise, nämlich kalt, aber dafür wenigstens aussen anders, nämlich nicht lauwarm, sondern gleichmässig schwarz. Immerhin, das ist ja schon mal was.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.05.2018, 13:19 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!