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Das wissenschaftliche Konzept ist keinen Rappen wert

Markus Brupbacher kommentiert die Tatsache, dass die wissenschaftliche Begleitung des Rheinauer Experiments zum Grundeinkommen noch völlig offen ist.

Huhn oder Ei? Zuerst das Geld für das Experiment sammeln oder zuerst das Konzept für dessen wissenschaftliche Begleitung öffentlich machen?

Natürlich bestimmt am Ende die Summe des gesammelten Geldes darüber, in welchem Umfang der Rheinauer Grundeinkommensversuch untersucht werden kann. Seriöse Forschung kostet, um zu methodisch sauberen Schlussfolgerungen zu gelangen. Aber wieso soll jemand Geld für ein Experiment lockermachen, bevor er weiss, wie dieses untersucht wird?

Wieso soll jemand Geld für ein Experiment lockermachen, bevor er weiss, wie dieses untersucht wird?

Kein spruchreifes Forschungsdesign und noch nicht einmal die Forschungsfragen festgelegt: Damit belassen die Initianten des Rheinauer Experiments praktisch alles im Vagen, Ungefähren. Dabei ist es in der Forschung das Normalste der Welt, zuerst ein Konzept zu verfassen, bevor man jemanden um Geld bittet, etwa eine Stiftung.

Geldgeber wollen wissen, was wieso und wie untersucht wird. Aber vielleicht denken die Initianten: Ach, was interessiert die euphorisierte Masse schon wissenschaftliches Methodengeschwätz? Hauptsache, die Leute spenden via Crowdfunding Geld. Und dafür genügt eine lässig gemachte Website mit Judihui-Sprache und teils peinlich berührenden, tagebuchähnlichen Blogeinträgen der Initianten. Sie sind schon so begeistert vom Grundeinkommen, obwohl sie die Folgen noch gar nicht geprüft haben.

Was, wenn sich die Mehrheit der Rheinauer nur zusätzliche Ferien ausserhalb des Dorfes gönnt und bloss eine Minderheit Freiwilligenarbeit leistet – jene notabene, die das schon immer getan hat? Würden die Initianten dieses ernüchternde Resultat wahrhaben wollen?

Ihre Euphorie kann einen anstecken – oder skeptisch machen. Es könnte der Eindruck entstehen, die wissenschaftliche Begleitung diene bloss dazu, dem Vorhaben einen seriösen Anstrich zu verleihen, ein Mäntelchen der Wissenschaft umzuhängen.

Statt sich zuerst zu überlegen, wie der Verwendungszweck des Grundeinkommens erhoben werden soll, machen sich die Initianten schon viel lieber Gedanken darüber, ob die Ergebnisse dann auch in Englisch in internationalen Publikationsorganen veröffentlicht werden sollen – «für den internationalen Diskurs».

Das Rheinauer Projekt hat etwas Ansteckendes. Kratzt man aber etwas unter der hochglanzpolierten Oberfläche, bleibt vieles vage. Mehr wissenschaftliche Substanz wäre zu wünschen. Gerade, um auch Kritiker zum Geldausgeben zu bewegen.

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