Kolumne

Der Grüssaugust

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Winterthur erlebt derzeit etwas, womit die Stadt keine Erfahrung hat: ein echtes Duell ums Stadtpräsidium.

Bisher war es in Winterthur üblich, dass der Stadtpräsident (es war immer ein Mann) einfach so lange im Amt bleibt, bis er keine Lust mehr hat und zurücktritt. Manche hatten gute Gründe – etwa Salomon Bleuler anno 1878, der sich wieder um seinen «Landboten» kümmern wollte – andere waren einfach alt geworden oder hatten sich unbeliebt gemacht.

Deutsche Städte lösen das Problem pragmatisch: Sie leisten sich einen zweiten Bürgermeister

Und jetzt das: SP-Frau Yvonne Beutler rüttelt am Sitz des beliebten Stadtvaters Michael Künzle (CVP), der doch bestimmt das Sitzfleisch gehabt hätte, die 24 Amtsjahre eines Urs Widmer zu erreichen, wenn nicht gar die 32 Jahre von Rudolf Geilinger. Künzle hetze von Apéro zu Apéro und habe keine Zeit über die Strategie nachzudenken, giftelt Beutler.

Sie hingegen würde den Kugelschreiber nur ungern gegen das Weissweinglas eintauschen und stattdessen ihre Stadtratskollegen vorschicken beim Vereinsjubiläum des Turnvereins oder der Eröffnung der Kleintierausstellung.

Wie viele Hände muss ein richtiger Stapi schütteln? Deutsche Städte lösen das Problem pragmatisch: Sie leisten sich einen zweiten Bürgermeister ohne wesentliche Zuständigkeiten. Er kann den Grüssaugust spielen, während der Chef die Stadtpolitik lenkt.

Ein anderes Modell hat die Stadt Genf: Hier wechselt das Stadtpräsidium einfach im jährlichen Turnus, so dass jeder mal dran ist. Daran könnten wir uns ein Vorbild nehmen. Es gäbe weniger Gezänk und jedem wäre klar: Der eigentliche Chef ist ohnehin nicht der Präsident, sondern das Stimmvolk. (Der Landbote)

Erstellt: 21.03.2018, 16:56 Uhr

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