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Der Rheinfall und das Klima

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In diesen Tagen eines leichten Hochwasserstands am Bodensee ist der Rheinfall bei Schaffhausen ein Naturschauspiel besonderer Eindrücklichkeit: Die Natur zeigt ihre Urgewalten, es donnert, zischt und grollt.

Solange das viele Wasser so schön abläuft, ist alles in Ordnung. In anderen Teilen der Welt bedrohen durch Extremwetterlagen ausgelöste Fluten – aber auch Dürren – die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Dadurch steigt der Druck zur Migration weiter an.

Wer anderen gute Ratschläge gibt, sollte mit gutem Beispiel voran gehen.

Ein Ausflug zum majestätischen Rheinfall macht deutlich, wie gut es uns noch geht. Gleichwohl: Industrienationen und Schwellenländer sind zur grossen Gefahr für die globale Natur geworden.

Wir kennen die Ursachen, aber der Wandel ist mühsam: Der Kohlendioxid-Ausstoss und der anderer Klimakiller nimmt zu, durch Verkehr in der Luft, zu Lande, auf den Meeren, durch die Bauwirtschaft, Kohleverstromung, Heizenergie, Massentierhaltung und andere Ursachen.

Wer Zeitungen liest, weiss: Wir müssen unseren Ressourcenverbrauch drosseln, um die weitere Klimaerwärmung zu stoppen. Dennoch höre ich Diskussionen häufig: Man solle die Kirche im Dorf lassen, wir politisch überkorrekten Europäer trügen doch nur den kleinsten Teil zur Klimaerwärmung bei, sollten doch erst mal die ökologisch hemmungslosen Schwellenländer etwas ändern. Ich meine, wer anderen gute Ratschläge gibt, sollte mit gutem Beispiel voran gehen.

Das kann in unseren Gemeinden beginnen: Die öffentliche Verkehrsinfrastruktur weiter ausbauen, weniger Auto fahren, in Schwimmbädern etwas weniger heizen, zu Hause nicht in allen Zimmern das Licht brennen lassen, regionale Produkte kaufen.

Das mögen Kleinigkeiten sein, aber indem wir Verhalten ändern und wieder lernen, mit Energie sparsam umzugehen, verändert sich auch unsere Grundeinstellung. Dann schöpfen vielleicht auch Regierungen endlich mehr Mut, unbequeme, aber unausweichliche Veränderungen zur Gesundung des Planeten in Gesetzesform zu giessen – auch gegen die Interessen mächtiger Konzerne.

Dieser Tage sass ich in Schaffhausen auch am Rheinufer und habe dem breiten Strom zugeschaut, wie er ruhig und smaragdgrün dahinfloss, sein Wasser so sauber wie zu Urzeiten. Doch die Klimaerwärmung senkt den Sauerstoff­gehalt unserer Gewässer, das sind bedenkliche Entwicklungen.

Umweltschutz liegt also auch an uns: Leben wir nach dem Motto «Etwas weniger von Allem», dann können auch spätere Generationen den majestätisch zum Rheinfall fliessenden Rhein, unsere Wälder und Berge unversehrt bewundern.

Erstellt: 19.07.2019, 16:55 Uhr

Tobias Engelsing ist Leiter der ­Städtischen Museen Konstanz und ­«Landbote»-Kolumnist.

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