Kolumne

Der rollende Franken

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Was haben wir alle den Kopf geschüttelt, als wir erfuhren, dass der französische Fussballverein Paris St.Germain für den brasilianischen Stürmer Neymar dessen altem Klub Batcelona 222 Millionen Euro überwies.

Das Geld stammte offensichtlich aus den sprudelnden Ölquellen des arabischen Staates Katar. Dieser hatte es ja geschafft die Fussball-Weltmeisterschaft von 2022 zugesprochen zu erhalten, trotz seiner geringen Einwohnerzahl (2,5 Millionen) und trotz der Backofenhitze im Sommer.

Natürlich sind solch hohe Transfersummen ein Unsinn, natürlich ist ein einzelner Mensch nie eine solche Summe wert, aber man kann die Sache auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten, sogar aus spezieller Winterthurer Sicht.

Statt dass die reichen Katari 200 Millionen Euro für Waffen ausgaben, oder für Prunkbauten, oder für eine vollklimatisierte Skipiste mitten in der Wüste, pumpten sie das Geld in den Fussball. Schauen wir uns nun aber doch einmal an, wohin das viele Geld unterdessen gewandert ist.

Man kann die Sache auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten – zum Beispiel aus Winterthurer Sicht.

Ich lehne mich da an an ein Heft des Schweizer Jugendwerkes (SJW), welches ich vor 60 Jahren in der Primarschule bezog. Es hiess «Der rollende Franken», und verfolgte eine Münze, wie sie von der Hausfrau zur Lebensmittelverkäuferin, von dieser zum Bauern und von diesem weiter zum Tierarzt wechselte usw.

Weil Barcelona so viel Geld für Neymar eingenommen hatte, bezahlte es für den Stürmer Dembele von Borussia Dortmund mit 105 Millionen wahrscheinlich etwas mehr, als es sonst der Fall gewesen wäre. Über 100 Millionen für einen Fussballer, immer noch der bare Wahnsinn!

Mit dieser Einnahme konnte sich nun der deutsche Verein seinerseits nach Verstärkungen umsehen und wurde beim Verteidiger Manuel Akanji vom FC Basel fündig. Und wer über ein grosses Portemonnaie verfügt, der tut nicht so knausrig und bezahlt halt auch einmal für einen Verteidiger, der «nur» Tore verhindern soll, 20 Millionen!

An was dachte wohl der FC Winterthur, als er damals sein junges Talent Akanji an den FC Basel abtrat und dabei im Vertrag klugerweise festschreiben liess, dass er im Falle eines Weiterverkaufs mit 5 Prozent an der Transfersumme zu beteiligen sei? 5 Prozent von 20 Millionen sind eine ganze Million, die nun in Richtung FCW fliesst! Eine der 222 Neymar-Millionen ist damit tatsächlich in Winterthur angekommen.

Meine ich das nur, oder ist das Kopfschütteln über das Gebaren der arabischen Scheichs nicht mehr ganz so heftig wie vorher?

(Der Landbote)

Erstellt: 26.01.2018, 15:36 Uhr

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