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Der Shutdown und ich

Die Redaktorinnen und Redaktoren des «Landboten» sind im angeordneten Homeoffice. Hier erzählen sie, welche amüsanten und absurden Folgen und Erlebnisse der Shutdown bisher für sie bereitgehalten hat.

Auf Recherche mit Giesskanne und blauen Adiletten

Bei den Homeoffice-Typen gibt es zwei Extreme: jene, die alles machen wie sonst auch. Und jene, die quasi über Nacht verwahrlosen, in Pyjama und Adiletten zwischen Kaffeemaschine und Küchentisch hin- und herschlurfen und nur noch zum Postholen vor die Tür gehen. Eine plumpe Vereinfachung? Vielleicht. Ich selbst zähle mich zur Gruppe der Laptop-Chimären, die recht gross sein dürfte: Hüftaufwärts wahren wir in Videokonferenzen den Schein, hüftabwarts zelebrieren wir den Ausnahmezustand. Oder modisch ausgedrückt: Seidenbluse kombiniert mit übergrossen Trainerhosen. Dabei geht es nicht um Faulheit, sondern darum, das Beste aus dieser einzigartigen Lage zu machen. Die Gelegenheit, den Stadtrat mit Fragen zu löchern und dabei das Zitronenbäumchen zu giessen, dürfte so bald nicht wieder kommen. Gleichzeitig frage ich mich, was das Gegenüber, das ja meist auch im Homeoffice ist, während dieser Gespräche macht. Sät die Mediensprecherin auf dem Balkon gerade Kopfsalat an? Wägt der vom Lockdown betroffene Koch jetzt gleich Gelierzucker für die Konfi ab? Und rührt die Mutter im Risotto, während sie das Familienleben mit Homeschooling schildert? (dba)

Der Cappuccino an der Sonne ist eher die Ausnahme

Es soll ja Vorgesetzte geben, die befürchten, ihre Mitarbeitenden machen sich nun – im Homeoffice – einen schönen Lenz. Sitzen auf dem Balkon, quatschen am Telefon, schauen Netflix oder fahren Velo, statt zu arbeiten. Oder sie könnten gar untertags Wäsche waschen oder staubsaugen, was zugegeben nicht zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen zählt. Ich kann euch versichern, liebe Chefinnen und Chefs, dem ist nicht so. Im Gegenteil. Das zeigt mein verordneter Selbstversuch nach über einer Woche zu Hause im Homeoffice.

Nicht die privaten Tätigkeiten verdrängen die beruflichen. Es ist umgekehrt: Viele Recherchen parallel, vier Videokonferenzen täglich und unermüdlich in die Tasten hauen. Ich vergesse bisweilen sogar das Mittagessen. Zugegeben, das ist nicht so schlimm und könnte mir zur gewünschten Frühlingsfigur verhelfen. Aber echt: Mir fehlen die Kolleginnen und Kollegen, die sich Punkt zwölf «en Guete» wünschen und mit denen ich essen gehen kann. Und darum setze ich mich jetzt gemächlich in die Küche ab und mache mir einen feinen Cappuccino (der grosse Vorteil zum Büro). Ich werde ihn dann genüsslich auf der Laube schlürfen, in die Sonne blinzeln und kein bisschen ein schlechtes Gewissen haben. (dt)

Zehn Dinge, die mir den Lockdown erträglich machen

In diesen Zeiten bin ich froh um jede gute Nachricht, und sei sie noch so klein. Vielleicht geht es Ihnen da nicht anders. Hier deshalb zehn positive Erkenntnisse aus meinem Homeoffice-Alltag: 1. Ich bin da, wenn DHL und Post meine Päckli bringen wollen. 2. Die Füsse stecken in bequemen Finken statt durchgelatschten Schuhen. (Notiz für nach dem Shutdown: Birkenstöcke mit ins Büro nehmen!) 3. An Videokonferenzen fällt keiner dem anderen ins Wort, anders geht es nicht. 4. Meine letzten Tage im Büro – also im Office-Office – waren vom Händewaschen geprägt. Am Ende waren meine Hände ausgetrocknet und rissig, was nun wirklich nicht der Sinn der Sache ist. Isoliert zu Hause gehe ich das wesentlicher entspannter an. 5. Die Liebsten sind nur einen Raum weit weg von mir. (Sorry, liebe Kollegen!) 6. Ich gehe mitten am Tag einkaufen. Bekommt ja keiner mit... 7. Weil das einstige Esszimmer jetzt von mir besetzte Zone ist, essen wir gemeinsam am kleinen Küchentisch. Zusammengepfercht, aber gemütlich. 8. Musik hören. Laut! (Zurzeit: «My Sharona» abspielen und beim Mitsingen den Refrain mit «M-m-m-my Corona» ersetzen.) 9. Weil wir sonst nur alte Holzstühle haben, weiss ich den doofen Sitzball endlich zu schätzen. 10. Das Arbeitszimmer werde ich dann bestimmt von den Steuern abziehen. Apropos… (jig)

Die faule Katze macht es sich noch gemütlicher

Unsere schwarze Katze freut sich ganz offensichtlich über die neue Situation. Sie hat jetzt immer jemanden im Haus, der ihr bei allem Möglichen behilflich sein kann. Sie war zwar schon vorher so: Wenn es irgendwie geht, vermeidet sie jede Anstrengung. Nun ist es aber fast schon extrem geworden. Das Katzentor benutzt sie kaum noch, denn sie müsste sich dort mit ihrem (etwas zu dicken) Bauch mühsam hindurchzwängen und danach auch noch über das Balkongeländer steigen. Jetzt schleicht sie so lange in der Stube herum, bis ich mich nicht mehr konzentrieren kann und ihr die Tür öffne. Wenn sie wieder hinein will, kratzt sie an der Scheibe.

Richtig ungemütlich wird sie gegen Abend, wenn sie langsam Hunger hat. Sie springt dann gerne auf den zum Büro umfunktionierten Stubentisch und versucht schnurrend, über die Tastatur zu tappen. Wer könnte da noch weiterarbeiten? Nur eines hilft: ihr sofort den Napf auffüllen! Bald liegt sie dann genüsslich auf dem Sofa und leckt sich die Pfoten ab. Bis sie wieder nach draussen will. (roh)

Aus dem Fenster gegen die Scheibe

Wer im normalen Büroalltag einen Fensterplatz hat und diesen intensiv für Ausblick nutzt, begeistert die Chefin normalerweise nicht. Im Homeoffice fehlt aber, was sonst gar nicht aktiv wahrgenommen wird: die Augen zwischendurch vom Bildschirm abwenden. Besprechungen finden per Videokonferenz statt, für ein Schwätzchen bleibt zwar Zeit, aber auch das wird digital übertragen. Leidtragende dabei sind meine zwei Augen, die sich nach stundenlangem Bildschirmstarren mit Trockenheit und Anspannung bitter beklagen. Manchmal ziehen sie sogar ihren älteren Bruder, den Kopfschmerz, hinzu. Um diese unangenehmen Begegnungen zu vermeiden, gibt es nur eines: eine radikal verordnete, regelmässige Aus-dem-Fenster-guck-Kur. Dafür stell ich mir jetzt sogar einen Wecker. (nid)

Schultern lockern nicht vergessen!

Ein in der Höhe verstellbares Pult, Bürostuhl, zwei Bildschirme und eine externe Tastatur: Die luxuriöse Ausstattung im Büro fehlt im Homeoffice gänzlich. Ich muss mich mit Laptop und fix installiertem Esstisch begnügen. Schultern und Nacken bekommen das zu spüren, sie verhärten zusehends. Deshalb habe ich mir vorgenommen, nach jeweils maximal eineinhalb Stunden Schreibarbeit eine Pause mit Lockerungsübungen einzubauen oder rasch um den Block herumzuspazieren. Und in dieser Zeit zu telefonieren. Denn die Einsamkeit macht mir ebenfalls zu schaffen. Einen ganzen Tag lang mit niemandem reden? Geht nicht! Deshalb finden jetzt auch täglich regelmässige «Wie gehts dir, was machst du so»-Gespräche mit der besten Freundin statt. (neh)

Balkonien, meine Pausenwelt

Was bin ich froh! Nicht über die allgemeine Situation, nein, das ist eher so ein Arrangieren im Sinne von «Ist halt so». Aber ich bin froh über die Entscheidung meines Vergangenheits-Ichs, das sich für eine (sehr schöne) Wohnung mit einem (wirklich tollen) Balkon entschieden hat. Im Homeoffice starre ich zwar oft auf den Bildschirm, linse aber auch gerne mal nach draussen. Und damit auf meinen Pausenraum, der streng genommen keiner ist: meinen Balkon. Den Kopf lüften, die Sonne geniessen und wenige Meter, aber eine ganze Welt Abstand zum Arbeitsort gewinnen – das muss sein. Und meine kleine Aussenwelt im ersten Stock ist auch gross genug, um bei kurzzeitigem Bewegungsdrang ohne Aussicht auf baldiges Verlassen der Wohnung einige Male hin und her zu tigern. (ewa)

Alle grüssen und gärtnern

Immer nur drinnen, das kann doch nicht gesund sein. Also hat mir Regierungsrat Mario Fehr den Auftrag für eine kleine Velotour gegeben. Gut, nicht direkt, aber die ihm unterstellte Sicherheitsdirektion schrieb am Dienstag in einer Mitteilung sinngemäss: Social-Distancing-Sport bleibt sinnvoll. Es war aus mehreren Gründen herrlich: 1. Es hat deutlich weniger Autos, und jene, die überholen müssen, halten die Abstandsvorschriften des Bundes vorbildlich ein. 2. Fast alle Velofahrer grüssen sich verschwörerisch, als gehörte man einer geheimen Töffgäng an. 3. Ich sehe, was die Menschen im Weinland unter Homeoffice verstehen: gärtnern und putzen. Und zwar so pflichtbewusst, dass sie im Sommer wohl die gepflegtesten Gärten und Häuser vorweisen werden. (gab)

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