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Die falsche Alternative ist vom Tisch

Stadtredaktor Michael Graf kommentiert die Abfuhr des Stadtrates an die Adresse der Befürworter eines neuen Winterthurer Hallenbades.

Das Timing irritiert: Mitten in den Abstimmungskampf um die Traglufthalle platzt der Stadtrat mit der Stellungnahme, dass sich Winterthur ein zweites Hallenbad auf keinen Fall leisten könne.

Für den Zeitpunkt kann man dem Stadtrat allerdings keinen Vorwurf machen. Er war verpflichtet, bis Mitte Oktober Stellung zu nehmen zur Motion des Gemeinderats. Hätte er noch länger gewartet, wäre das erst recht kritisiert worden.

Ein neues Hallenbad mit allem Drum und Dran würde eher mehr Energie verschlingen als ein Winterdach fürs Geisi.

Inhaltlich ist die Antwort nicht überraschend. Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) hatte schon 2012 nach dem Nein zum Cabrio-Dach angekündigt, Winterthur werde auf Jahrzehnte kein zweites Hallenbad bauen. Und angesichts der tiefroten Zukunft der Stadtfinanzen ist es folgerichtig, dass der Stadtrat ein solches Unterfangen als Luxus einstuft, den sich Winterthur nicht leisten kann.

Und doch bringt die Stellungnahme Bewegung in den Abstimmungskampf. Viele Gegner der Traglufthalle hatten bisher argumentiert, das Winterdach werde ein «richtiges Hallenbad» auf die lange Bank schieben. Der Stadtrat enttarnt dies nun als als Luftschloss.

Klar: Streng genommen ist es nicht der Stadtrat, der über ein zweites Hallenbad entscheidet. Wenn Gemeinderat und Volk es wollen, muss die Stadt es bauen. Doch ob es dafür jemals eine Mehrheit gäbe, ist mehr als fraglich, nicht nur angesichts der hohen Kosten.

Ein neues Hallenbad mit allem Drum und Dran würde eher mehr Energie verschlingen als ein Winterdach fürs Geisi. Das sagt auch Grünen-Copräsident Reto Diener. Wer heute aus ökologischen Überlegungen gegen die Traglufthalle ist, dürfte in Zukunft auch nicht für ein zweites Hallenbad stimmen.

Die Intervention des Stadtrats spielt den Befürwortern der Traglufthalle in die Hände. Für sie ist jetzt erst recht klar: Wer mehr Schwimmfläche will, muss für die Traglufthalle stimmen. Eine Alternative ist nicht in Sicht.

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