Lomo

Die Grenzen des Reparierens

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass man die Sachen, statt sie wegzuwerfen, auch reparieren lassen könnte, das wussten schon unsere Grosseltern, und es wäre angesichts der mehr als besorgniserregenden ökologischen Zukunftsaussichten heute mehr denn je geboten.

So ganz einfach ist es freilich nicht, wie jeder weiss, der schon mal einen Computerdrucker zur Reparatur bringen wollte. Das Kopfschütteln des Verkaufspersonals sowie das Preisschild am neuen Modell, das nur ein Zehntel dessen anzeigt, was man bei der Instandsetzung des alten berappen müsste, machen einem unmissverständlich klar, dass Reparaturen in der Konsumgesellschaft nicht vorgesehen sind.

Also versuche ich wenigstens selber das zu reparieren, was ich kann. Zum Beispiel unseren Kleidertrockner für den Stubengebrauch. Meine Frau und ich wissen gar nicht mehr, wer das alte Drahtgestell einst in die Ehe gebracht hat. Allmählich bin ich aber doch überzeugt, dass wir ein neues brauchen. Denn nicht nur dem Wegwerfkonsum, sondern auch dem Reparieren sind Grenzen gesetzt.

Man kann darin auch eine meditative Übung sehen. Andere spielen Mikado oder bauen Kartenhäuser.

Seit sämtliche Plastikscharniere vom vielen Auf- und Zuklappen ihren Geist aufgegeben und sich in jenes Kunststoffgranulat aufgelöst haben, aus dem sie einst gegossen wurden, wird unser Ständer nur noch von Notlösungen und einigermassen viel Geschicklichkeit zusammengehalten.

Ich hab, um ihn vor dem Auseinanderfallen zu bewahren, unterdessen so viele Kabelbinder und Kleberli an dem Teil angebracht, dass ich mich längst frage, ob es nicht sinnvoller wäre, die Kleider einfach direkt mit den Kabelbindern zu versehen und in der Stube aufzuhängen, statt sie auf diesem Gestell zu drapieren.

Freilich, man kann darin auch eine meditative Übung sehen. Andere spielen Mikado oder bauen Kartenhäuser, und wir versuchen feuchte Hemden auf filigrane Stangen mit abgeblätterter Farbe zu legen, ohne dass alles zusammenbricht. Dabei fällt im Geschicklichkeitswettkampf der Punktestand massiv zugunsten meiner Gattin aus, was weniger daran liegt, dass sie häufiger Wäsche aufhängt, als daran, dass sie länger die Luft anhalten kann und über eine ruhigere Hand verfügt.

Möglicherweise will ich also nur aus gekränkter Eitelkeit den Ständer auswechseln, weil es mich kränkt, dass bei mir das Möbel immer nur zusammenfällt und nichts trocknet. Bis es aber so weit ist, versuch ich den Drucker mit Kabelbindern zu reparieren. Vielleicht hab ich da ja mehr Glück. (Der Landbote)

Erstellt: 29.01.2019, 19:01 Uhr

Bild

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.