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Die Nacht der langen Zahnstocher

Der Stadtverbesserer beschäftigt sich heute mit den Bundesratswahlen.

Der Stadtverbesserer schickt in der heutigen Folge Belehrungen nach Bern. Ja, das ist schlicht wieder einmal nötig! Oder haben Sie andere Bundesratswahlen erlebt?

Fangen wir doch bei den «Basics» an, den Grundfesten. Die Schweiz, das neutrale Land, betreibt Politik auch heute noch wie Alchemie. Es wird fast alles, was es gibt, zusammengerührt, mit dem Ziel, am Ende Gold in den Händen zu halten.

Jedem Anfang, heisst es, wohnt ein Zauber inne. Die Schweiz aber vermutet den Zauber im Verharren.

Und entsprechend sind auch heute noch die Begriffe gewählt: Martialisch und magisch wie aus einem Asterix-Buch. Es gilt die Nacht der langen Messer zu überstehen, bevor dann im Bundesrat die Zauberformel ihre Wirkung entfaltet.

Mit Verlaub: Zauberformel? Ist das die adäquate Bezeichnung für ein Gremium, in dem sich die Mehrheitsverhältnisse und der politische Aufbruch eines Landes in eine grüne Zukunft, ja die Absage an den Weltuntergang, nicht abbildet? Jedem Anfang, heisst es, wohnt ein Zauber inne. Die Schweiz aber vermutet den Zauber in der Kontinuität, im Verharren.

Und lange Messer? Ernsthaft? Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch war noch nicht einmal eine Nacht der Zahnstocher! So tief wird das Parlament ausserhalb des Ratssaals kaum je geschlafen haben. Und die Wahl selbst, das war Politik als Vollzug – Xanax fürs Volk, verabreicht via Bildschirm vom SRF.

Die Nichtwahl Christiane Brunners und die Abwahl Christoph Blochers markieren zwar immer noch die grossen Traumata der Polparteien, aber wenigsten war Politik damals noch spannend. Seien wir froh, gibt es die direktdemokratischen Kommunalwahlen!

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