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Dribbeln in Zug und Kneipe

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Wer erfolgreich im Fussball sein will, muss die richtigen Gesten draufhaben. Keine Sorge, ich geb jetzt nicht auch noch meinen Senf zur Doppeladler-Diskussion dazu. Ich rede von den Gesten vor dem Sieg: die Finten, mit denen man den Gegner ausdribbeln kann.

Da gibt es Täuschungsmanöver mit klingenden Namen wie «Superkick» oder «Übersteiger», «Matthews-Trick» oder «Maradona-Kreisel» (der stammt übrigens aus Zeiten, als die argentinische Fussball-Legende noch mehr bewegte als nur den Stinkefinger).

Die Dribbeltricks des Alltags wie die «Höflichkeitsfinte», der «Grosszügigkeits-Antäuscher» oder der «Badezimmer-Übersteiger» sind weit verbreitet. 

Weitaus bekannter aber sind Dribbeltricks, denen man nicht auf dem Rasen, dafür aber umso mehr im Alltag begegnet. Ich denk da zum Beispiel an die «Höflichkeitsfinte», den «Grosszügigkeits-Antäuscher» oder den «Badezimmer-Übersteiger».

Im Zug zum Beispiel kommt die Höflichkeitsfinte immer dann zum Einsatz, wenn neue Passagiere zusteigen. Dann fangen die Leute an, ein bisschen so zu tun, als wollten sie die Tasche vom Nebensitz auf den Schoss nehmen, machen aber so lange, bis alle Leute schliesslich doch vorbeigegangen sind, und lehnen sich dann zufrieden zurück.

Der Grosszügigkeits-Antäuscher wird dagegen in kleineren Freundesgruppen praktiziert, wenn es darum geht, in der Kneipe das Bier zu bezahlen: Dann tut man so, als wollte man zum Portemonnaie greifen, lässt sich dabei aber exakt so viel Zeit, dass jemand anders in der Runde schneller ist und alle einlädt. Dann seufzt man, schiebt das Portemonnaie (das man ja eigentlich sowieso nicht hatte zücken wollen) wieder zurück in die Hosentasche und verkündet: «Das nächste Mal zahl dann ich» (was man natürlich ebenfalls nicht vorhat).

Heikel wird es freilich, wenn gleich alle Spieler in der Runde den Grosszügigkeits-Antäuscher versuchen. Dann kann es zu ganz peinlichen Szenen kommen, etwa dass eine ganze Tischrunde minutenlang nach Geld nestelt, während der Kellner ungeduldig am Tisch steht.

Ungleich schwieriger nachzuweisen ist hingegen der Badezimmer-Übersteiger: Der geht so, dass man auf dem Badezimmerboden liegende Frotteetücher, die man ja eigentlich schnell aufhängen könnte, geschickt übersieht und über sie hinwegsteigt, als wären sie gar nicht da, und stattdessen darauf hofft, dass dann die nächste Person, die ins Badezimmer muss, das Tuch aufhängen wird.

So hat der Badezimmer-Übersteiger schon zu manch heftigen, inner-familiären Diskussionen geführt. Wie ich mir habe sagen lassen, sollen in manchen Haushalten deswegen im Badezimmer bereits Kameras installiert worden sein – für den Videoschiedsrichterassistenten.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.07.2018, 10:35 Uhr

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