Tribüne

Ein Hammer für Kinder!

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wüssed Sie, öb das amigs Iitritt choschtet?»*, fragte mich eine elegant gekleidete ältere Frau am letzten Sonntag während der Eröffnung des Abenteuerspielplatzes hinter dem Schützenweiher.

Ich stand per Zufall neben dem Infotisch. Wir hatten wie viele andere Familien auch die Idee, das Eröffnungsfest zum Ziel unseres Sonntagsausflugs zu machen. Ich stellte mir kurz vor, wie die elegante Frau künftig jeweils am Mittwochnachmittag mit ihren Enkelkindern auf dem 3000 m² grossen Gelände im Matsch buddelt, im Stroh tobt, über der Feuerstelle eine Wurst brätelt oder ein paar Nägel einschlägt und wollte sie gerade fragen, wie alt denn ihre Enkel seien, da unterbrach sie meine Gedanken:

«Das isch e Katastrophe!»

«Was isch es?»

«E Katastrophe isch es»

 «Deet wohn ich! Da ghöremer‘s dänn vom Morge bis am Abig hämmere!»

«Das isch e Katastrophe!». Sie murmelte die vier Wörter nur. «Was isch es?», fragte ich, weil ich vermutete, ich hätte mich verhört. «E Katastrophe isch es», wiederholte sie nun deutlich und zeigte quer über den Platz auf die angrenzende Siedlung. «Deet wohn ich!», meinte sie bestimmt sie und erklärte, was ihr so katastrophal erschien: «Da ghöremer‘s dänn vom Morge bis am Abig hämmere!»

Dass der Spielplatz nur an drei Nachmittagen in der Woche geöffnet hat und somit sogar die Mittagsruhe eingehalten wird, realisierte ich erst, nachdem wir uns verabschiedet hatten. «Aber fürd Chind ischs natürlich guet», meinte sie dann doch noch versöhnlich, bevor sie sich mit dem Flyer in der Hand wieder auf den kurzen Heimweg machte.

Das Highlight bewegte sich hüpfend über den Kies des Spielplatzes: Hunderte munzig kleiner Baby-fröschli!

Wie gut es für die Kinder tatsächlich ist, bewies unser zweiter Besuch am zweiten Betriebstag. Während die beiden Spielplatzleiter Ursi und Kasper bei leichtem Regen Schilder malten, Material sortierten und unerwartete Spenden aus dem Quartier sichteten (Zwei Mini-Stepper! Ein Allzweck-Schraubstock Jahrgang 96!), entdeckten meine Kinder verblüffend selbstständig die Möglichkeiten ihres neuen Paradieses.

Das Highlight des Tages waren aber weder die Schlammlandschaft noch die Holzwerkstatt. Das Highlight bewegte sich hüpfend über den Kies des Spielplatzes: Hunderte munzig kleiner Baby-fröschli! Die Kleinen waren gerade auf Wanderschaft vom Schützenweiher zum anliegenden Wald, diagonal über den Abenteuerspielplatz, und liessen die Kinder alles andere Vergessen – auch das laute Hämmern. Aber keine Angst: Für ohrenbetäubendes Quaken vom Morgen bis am Abend sind diese Babyfröschli noch zu klein.

*Der Eintritt ist gratis. Um das Bestehen des Platzes zu sichern, ist der Verein aber darauf angewiesen, dass möglichst alle Eltern der Kinder, die den Platz regelmässig nutzen, dem Verein beitreten und ihn mit einem Jahresbeitrag unterstützen.

Franziska von Grünigen ist Radiofrau, Buchautorin und Winterthurerin.

Erstellt: 21.06.2019, 16:46 Uhr

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles