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Eine 667-jährige Anleitung zur Quarantäne

Was uns in Zeiten von Social Distancing zusammenhält.

Die Kinder haben schulfrei und sollen drinnen bleiben, die Eltern machen Homeoffice. Wie übersteht man eigentlich eine Quarantäne ohne Durchzudrehen und viereckige Augen zu bekommen?

Nun, manchmal hilft es, einen Blick in die Vergangenheit, genauer gesagt ins «Dekameron», zu werfen. Dieses fast tausendseitige «Zehntagebuch» schrieb der Dichter Giovanni Boccaccio als die verheerende Pest im Mittelalter wütete.

Die Rahmenhandlung spielt in Florenz: Zehn junge Menschen fliehen von dort hinaus aufs Land. «Dort ist die Luft frischer und der Vorrat von Dingen, die man zum Leben braucht, ist dort grösser, und geringer die Zahl der Unannehmlichkeiten», begründen die sieben Frauen und drei Männer ihre Stadtflucht. Eine Beschreibung, die heute noch passt.

Um «Ehre und Beschwerde» in der Quarantäne aufzuteilen, bestimmen die Geflüchteten auf dem Land einen Tageskönig. Dieser bestimmt jeweils am Abend eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Die erste Königin Pampinea ist es, die vorschlägt, dass jeder eine Geschichte erzählen soll. Am Ende kommen so in zehn Tagen exakt hundert Kurzgeschichten zusammen.

Eine schöne Vorstellung. In Bauma hat das Alterszentrum Böndler bereits dazu aufgerufen, Briefe und Gedichte an die Bewohnerinnen und Bewohner zu schreiben.

Und vielleicht ist es das, was uns in Zeiten von Social Distancing zusammenhält: Der gegenseitige Austausch. Geschichten über den Stoff, aus dem die Menschen sind und der in der Krise besonders gut sichtbar wird. Als wäre der Virus eine helle Sonne, die uns wie ein Blatt Papier durchleuchtet. Denn was uns nicht genommen werden kann, ist das Soziale.

In diesem Sinne: Bleiben Sie allein, aber bitte alle zusammen.

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