Tribüne

Eine letzte Kolumne

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Liebe Leser, vielleicht haben Sie sich schon gewundert, wo meine debilgenialen Bagatell-Anekdoten denn eigentlich geblieben sind. Nun, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass dies meine letzte Tribüne für den Landboten sein wird.

Denken Sie mal, fast neun Jahre lang habe ich Ihnen jeweils ein paar Minuten Ihrer Zeit gestohlen. Neun sind schliesslich fast zehn und zehn Jahre sind fast ein Drittel meines Lebens. Das klingt doch ordentlich ordentlich.

Sie waren für mich – ob Sie es wollten oder nicht – fast ein Jahrzehnt lang eine Art stille Seelenklempner.

Aufgrund der zahlreichen Projekte, die ich mittlerweile betreue, musste ich einiges in meinem Leben umordnen und schweren Herzens ein paar Entscheidungen treffen. Das Verlassen der Tribüne-Runde gehört bedauerlicherweise auch dazu. Für den Landboten zu schreiben, war für mich eine Bereicherung und Sie waren – ob Sie es wollten oder nicht – eine Art stille Seelenklempner.

In diesem Format konnte ich vieles abladen, was sonst nirgendwohin gepasst hätte. Skurrilitäten und Ärgernisse, die ich Lippen zusammenpressend einfach für mich behalten und runtergeschluckt hätte. Das wäre kaum gesund gewesen, hätten sich diese Kleinigkeiten in meiner Magengrube doch zu einem schwer verdaulich wuchernden Klumpen angehäuft. Igitt, das ist ja widerlich – vielleicht sollte ich meine Entscheidung nochmals überdenken.

Ja, hier wurde mir ein emotionales Gleichgewicht beschert. Durch das Verarbeiten und Teilen meiner Empörung konnte ich das Negative stets in etwas Positives umwandeln.

Für Sie war es wohl nicht immer leicht mit mir, aber das haben Sie mich ja nie spüren lassen. Ich glaube, es gab wenig bis gar keine negativen Leserbriefe. Danke für Ihr Schweigen. Gut – vermutlich hatten Sie einfach Schiss, dass Sie sich dann in der nächsten Kolumne wiederfinden – zu Recht will ich meinen.

Wie schade dieser Abschied ist, geben mir derweil auch meine dezent feuchten Augen zu verstehen gerade. Auch, dass Sie jetzt nie erfahren werden, wie ich mir vor drei Wochen beim Skifahren ein blaues Auge geholt habe oder wie ich mir vor einigen Tagen den Finger an einer WC-Rolle aufgeschnitten habe.

Aber allzu schlimm ist es eben auch nicht, denn es gibt schliesslich Wichtigeres zu verhandeln, z. B. den Klimawandel, die neue Urheberrechtsreform der EU, die nächste Schlagzeile zu Lutzi Stamm oder das Eheglück der Behramis.

Ich wünsche uns allen eine robuste Magenschleimhaut und viel Geschick. Und falls Sie doch mal die Sehnsucht nach einer dummen Geschichte packt, dann finden Sie mich sicherlich hin und wieder auf der Schützenwiese bei einem FC-Winterthur-Spiel.

Alles, alles Gute.

Der «Landbote» bedankt sich bei Lara Stoll für die vielen unterhaltsamen Kolumnen in den letzten Jahren. Ihre Nachfolge im «Tribünen»-Team tritt ab Mai die Winterthurer Krimi-Autorin und Anwältin Eva Ashinze an.

Erstellt: 29.03.2019, 16:35 Uhr

Lara Stoll ist Slam Poetin und schrieb 9 Jahre lang Kolumnen für den «Landboten».

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