Zum Hauptinhalt springen

Entspannung, aber subito

Mein Smartphone macht sich Sorgen um mich. Seit neuestem tauchen da nämlich die ganze Zeit Werbungen für Programme auf, die mir bei der Entspannung helfen sollen. Das ist zwar immer noch sympathischer, als wenn mir früher das Telefon die ganze Zeit irgendwelche Baller-Games andrehen wollte. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass sich in der Werbung ein Vorwurf versteckt.

Wahrscheinlich sieht mein Telefon allzu genau, was ich den lieben langen Tag alles so lese, gucke, höre, denke, tippe, nachschaue, korrigiere, schicke, hochlade und downloade, und denkt sich: «Der Binotto sollte mal besser einen Gang runterschalten.» Und dem kann ich auch durchaus zustimmen.

Schau in dich hinein! Abschalten, eintauchen, los, los!

Das Problem jedoch ist, dass die mir vorgeschlagenen Wege zu einem entspannteren Alltag auch wieder eher stressig vorkommen. Das eine Programm verspricht mir, in Mini-Meditationssitzungen zu mehr Ruhe und Kraft zu gelangen, das andere will mich mit einem Assortiment von Naturgeräuschen und Farbflecken einlullen. Das eine will mir mit putzigen Zeichentrickfigürchen Achtsamkeit, das andere in Kurzsitzungen Yoga beibringen.

Nur, ich werde beim Anblick all der Angebote immer nervöser. Ruhe finden in sieben, fünf, drei, einer Minute. Der Countdown läuft. Entspannungsübung, bitte gerne, aber schön schnell, damit man möglichst viele von ihnen machen kann. Hör auf deinen Atem! Schau in dich hinein! Abschalten, eintauchen, los, los. Das kommt mir vor wie ein Wochenende im Wellnesshotel, das man in einer Viertelstunde absolvieren muss.

Auch werde ich das Gefühl nicht los, als gehe es bei all diesen Versprechen des Zur-Ruhe-Kommens in Wahrheit am Schluss um Produktivitätssteigerung. «Entspanne dich jetzt, damit du nachher länger malochen kannst», so lautet – mal mehr, mal weniger explizit – das Werbeversprechen bei all diesen Programmen. Und diese sind darum vielleicht doch gar nicht wirklich weniger aggressiv als die Laserkanonen- und Autorenn-Spiele, die mir früher angeboten wurden.

Jedenfalls hab ich vorhin, als grad wieder so eine Meldung kam, ich müsse jetzt unbedingt das neue Achtsamkeitspuzzle mit dem Motivationsmodus ausprobieren, zu meinem Telefon gesagt: «Weisst du was, ich muss gar nichts!» und es in die Ecke geschmissen. Wow, war das entspannend!

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch