Kolumne

Es ist eine Frau

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Hauptsache, du bist glücklich!» Wunderbar und wohltuend, wenn Menschen einander so begegnen, dass sie einander alles Glück der Welt wünschen. «Hauptsache, du bist glücklich», sagt der weit über achtzig Jahre alte Grossvater zu seiner zwanzigjährigen Nichte.

Im Gespräch eröffnete ihm die junge Frau, dass sie verliebt ist. Wer denn der Angebetete sei, fragt der alte Mann und sie erwidert: «Es ist eine Frau.»

Ups! Nimmt der Grossvater nun seine Aussage zurück? Im Gegenteil, auf diese Aussage hin sagt er zu ihr: «Hauptsache, du bist glücklich!»Wir können uns nichts sehn­licher wünschen, als von Menschen umgeben zu sein, die eine solche Offenheit ausstrahlen. So gerne würde ich diese Haltung allen Menschen gönnen, die mit ihrem Lebensweg an den noch immer starren Normen unserer Gesellschaft anecken.

 Solche Menschen braucht unser Land,

Welches Recht nehmen sich Menschen heraus, schwule und lesbische Lebensentwürfe zu verurteilen? Obwohl sich in den letzten Jahrzehnten viel getan hat zur Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Liebe, ist es noch lange keine Selbstverständlichkeit, das schwule und lesbische Menschen auf die Offenheit dieses Grossvaters treffen.

Gerade christliche Kreise tun sich schwer damit. Mit der Bibel wird auf die Sünde der Homosexualität hingewiesen, obwohl theologisch gebildete Menschen längst wissen müssten, dass diese Lesart zur Verteufelung von Lesben und Schwulen unhaltbar und falsch ist. Gerne verweise ich dabei z. B. auf den evangelischen Theologen Siegfried Zimmer.

«Es ist ein offenes Geheimnis, dass mindestens 25 Prozent der Priester und Bischöfe in derrömisch-katholischen Kirche schwul sind», schrieb die Agentur Kath.ch im Dezember 2016. Offiziell aber wird Homosexualität in unserer Kriche geächtet und verteufelt. Theologinnen und Theologen, die zu ihrer Partnerin oder ihrem Partner stehen, werden in der Kirche keine Anstellung finden.

Da liegt es nahe, dass Sexualität im Versteckten gelebt wird. Aber was ist das für ein Leben? Hat nicht Paulus von der Freiheit der Christenmenschen gesprochen? Und wo bleibt das grosse Wort der Liebe, auf der das Christentum gründet?

«Hauptsache ist, dass du glücklich bist!» Wie befreiend und liebenswürdig diese Aussage klingt.

Das wünsche ich unserer Gesellschaft, dass Menschen, so wie dieser Grossvater, die aus ihrem inneren Frieden heraus leben, unseren Alltag mehr und mehr prägen. Solche Menschen braucht unser Land. Es gibt nichts Wunderbareres als Menschen, die einander ihr Glück gönnen und wohlwollend aneinander Anteil nehmen.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.02.2018, 17:20 Uhr

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