Zum Hauptinhalt springen

Expertisen

Johannes Binotto über die Merkwürdigkeiten des Familienlebens in Zeiten der Corona-Krise.

Als der Fussballtrainer Jürgen Klopp vor einer Woche an einer Pressekonferenz nach seiner Meinung zum Coronavirus gefragt wurde, antwortete er dem Journalisten einigermassen entnervt, dass er es vor allem bedrohlich finde, wenn man anfange, Fussballtrainer um epidemiologische Ratschläge zu ersuchen.

Wo man sich nicht auskennt, soll man die Klappe halten, selbst wenn man gefragt wird.

Den Prominenten hört die Öffentlichkeit zwar gerne zu, das bedeutet aber nicht, dass diese deswegen auch wirklich was zu sagen haben. Vielmehr gilt: Wo man sich nicht auskennt, soll man die Klappe halten, selbst wenn man gefragt wird.

Und auch ich will mir darum Klopps kluge Antwort zu Herzen nehmen, und während sich nun allüberall die mal fahrlässig verharmlosenden, mal paranoid alarmistischen Kommentare von lauter selbst ernannten Experten häufen, werd ich mich hüten, diese Kolumne zum Corona-Ratgeber umzuwandeln. Wer solches sucht, halte sich gescheiter an die Informationen des Bundesamtes für Gesundheit. Ich hab da keinerlei Expertise.

Expertise hab ich dafür bei den amüsanten Merkwürdigkeiten des Familienlebens, und davon kann ich umso mehr berichten, hat sich doch dieses aufgrund von Schulschliessung und Homeoffice nur noch mehr intensiviert.

Noch sind bei meinen Kindern ja die Schulaufgaben nicht eingetrudelt, untätig waren sie derweil aber trotzdem nicht, sondern haben sich bereits selbst an die wirklich wichtigen Aufgaben herangemacht, zum Beispiel an die Frage, wie man als Agent wohl am besten Geheimbotschaften versenden könne.

Da hatten am Mittagstisch und wohl unter dem Einfluss des Menüs auf den Tellern die Söhne die Idee, einen kulinarische Code zu entwickeln, der nur von einem Agenten mit besonders geübtem Gaumen entschlüsselt werden kann. Sozusagen eine Geheimschrift mit Zutaten, Gewürzen und Garstufen anstelle von Buchstaben.

Mir gefällt die Idee, und zwar umso mehr, wenn ich mir vorstelle, wie anders wohl James Bond aussähe, wenn seine Tätigkeit sich stärker aufs Verkosten statt aufs Herumballern konzentrieren würde. 007 mit einem Body-Mass-Index von 45 – ich fände das sympathisch. Und so hab ich mich natürlich sofort fleissig beteiligt an den weiteren Überlegungen, wie sich das Agentengeschäft esstechnisch revolutionieren liesse. Ich hab das Gefühl, wir entwickeln da zusammen ganz neue Expertisen, und dabei hat das Homeschooling ja offiziell noch nicht einmal angefangen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch