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Für (fast) alle da

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Es steht gross auf dem Ostergruss, der dieser Tage in unseren Briefkästen gelandet ist: «Die Post ist da. Für alle.» Ausser man ist dort angestellt. Wie letzte Woche publik wurde, ist man bei der Post nämlich nicht grad zimperlich im Umgang mit den Arbeitskräften.

Während das Paketgeschäft gehörig boomt seit man dank gratis Hin- und Rückversand der Onlinehändler die Jeans heute lieber fünfmal auf Probe bestellt, statt sie einmal ins Geschäft probieren zu gehen, werden die Menschen, die all die Pakete vor unsere Türen schleppen müssen, immer mieser behandelt: Seit letztem September registriert das Computersystem «mytime», wie lange die Paketboten auf ihren Touren jeweils brauchen. Da nimmt man es sehr genau und rechnet streng individuell.

Der Konzern profitiert so oder so.

Bei der Entlöhnung hingegen nimmt man es dann weniger genau und rechnet grosszügig allgemein. Bezahlt wird bei den Paketboten nämlich nicht die eigene effektive Arbeitszeit, sondern nur die Zeit, die alle Arbeiter auf dieser Tour durchschnittlich so brauchen.

Wer also länger braucht als der Durchschnitt, weil er oder sie nicht mehr so gut zu Fuss ist wie die jungen Kollegen, hat halt einfach Pech gehabt. Wer hingegen so schnell ist, dass er unterm Soll des Gesamtarbeitsvertrags bleibt, der hat auch Pech gehabt, der macht dann nämlich Minusstunden. Der Konzern aber profitiert so oder so und statt mühsam von oben anzutreiben, hetzen sich mit dem System die Arbeiter schön gegenseitig.

Klar dass die Chefetage von der Fairness ihres Systems und vor allem von sich selbst überzeugt ist. Und wenn man bedenkt, dass man sich sogar im vergangenen Verlustjahr die Saläre erhöhen konnte, dann wird das heuer bestimmt noch besser klappen. Indes ist die Konzernleitung wohl doch nicht so sehr vom mytime-System überzeugt, dass sie dieses auch bei sich selbst einrichten würde.

Dabei könnte man doch auch beim Management nicht nach Individualleistung sondern nach Durchschnittswerten vergüten. Zum Beispiel liessen sich die bei Postauto erschwindelten 205 Millionen auf alle Mitglieder der Konzernleitung und des Verwaltungsrats verteilen. Das wären dann im Durchschnitt nur noch etwa 12 Millionen pro Person und die wären (auch dank der erhöhten Saläre) sicher locker bezahlbar. Schliesslich ist man bei der Post doch für alle da, oder?

Erstellt: 16.04.2019, 16:19 Uhr

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