Lomo

Heiss!

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Wenn das Wetter so ist, wie es die letzten Tage war, dann ist das Schreiben noch schwieriger als ohnehin schon.

Auch sonst kommt mir ja, wenn ich am Pult sitze und mal wieder über meine Kolumne grüble, schon genug dazwischen: ein Telefonanruf vom Meinungsforschungsinstitut, eine Frage der Kinder bezüglich Bruchrechnungen und Genitiv, ein sieben Neustarts erforderndes Update des Computers, eine leere Batterie in der Tastatur und die zweistündige Suche nach Ersatz, vor allem aber die eigene Faulheit und eine Psyche, die immer lieber etwas anderes tun möchte als sich endlich hinsetzen und schreiben, nämlich die Geschirrschublade aufräumen oder die Socken sortieren, sämtliche Bleistifte spitzen oder die Zehennägel schneiden.

Die letzten Tage, brauchte ich keine originellen Ausreden zu suchen, um mich vor dem Schreiben zu drücken.

Die letzten Tage hingegen, da brauchte ich gar keine originellen Ausreden zu suchen, um mich vor dem Schreiben zu drücken, weil mein Hirn ohnehin nichts anderes produzieren konnte als immer nur das eine Wort: Heiss!

Heiss – das ist, wenn man sich nachts im Bett nur deswegen zudeckt, weil man sich dann abdecken kann, damit man meint, es sei einem dadurch kühler geworden, was natürlich gar nicht stimmt. Heiss – das ist, wenn man überlegt, ob man die Bettdecke nicht sowieso gleich gegen Backpapier auswechseln soll. Heiss – das ist, wenn man die Gefriertruhe im Keller ausmisst, um herauszufinden, ob man reinpassen würde.

Heiss – das ist, wenn man glaubt, auf Wolken zu gehen, aber nur, weil die geschwollenen Füsse sich anfühlen wie ein aufgegangenes Ofenküchlein. Heiss – das ist, wenn man beim Aus-dem-Haus-Gehen das Gefühl hat, man laufe in eine dicke Wand, so wie im Schlaraffenland, wo man sich erst durch einen Wall aus Milchreis essen muss, wenn man rein oder raus will – heissen Milchreis!

Heiss – das ist, wenn man nicht mehr vom Stuhl aufstehen kann, weil sich zwischen Schweissrücken und Stuhllehne ein Vakuum gebildet hat, das man nur mit einem Brecheisen auseinanderbrächte, wenn denn nicht das Brecheisen selbst schon weich geworden wäre.

Heiss – das ist, wenn man schliesslich doch aufsteht, aber nur um im Spiegel zu überprüfen, ob einem tatsächlich das eigene Hirn bereits wie ein Fondue aus den Ohren zu fliessen beginnt. Heiss – das ist, wenn man auf Facebook den Beziehungsstatus von «verheiratet» auf «Toast Hawaii» ändert.

Erstellt: 03.07.2019, 11:17 Uhr

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