Tribüne

Ich bin Rekordhalter!

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Als Leichtathlet war ich in meiner Jugend eine ganz kleine Nummer. Als 100m-Läufer zählte ich ein einziges Mal an einer Vereinsmeisterschaft. Höhepunkt meiner Karriere war ein Sieg bei einem internationalen (!) Wettkampf.

Wie das ging? Ich gewann mit der 4 x 100m Staffel. Meine Teamkollegen waren zwei Medaillengewinner an Schweizermeisterschaften plus ein damals aktiver Handball-Internationaler mit eindrücklichem Speed. Ich übernahm den Staffelstab als Schlussläufer mit rund vier Metern Vorsprung und rettete zwei davon ins Ziel.

Meine noch grössere Stunde schlug wenige Jahre später, als ich sogar Weltrekordhalter wurde! Angestrebt wurde ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde, und deshalb organisierte man ein Rennen über 1000 x 400m.

Ich gehöre zu denjenigen, die den Zuschauerrekord auf der Winterthurer Schützenwiese halten.

Meine Nomination verdankte ich lediglich meinem Bekanntheitsgrad als Fernsehmoderator des damals einzigen Senders. Das OK hatte die unglückselige Idee mich als Startläufer einzusetzen. Die 400m waren für mich viel zu lang, so dass ich meine individuelle Zeit lieber versteckt hätte.

Dies war allen anderen vergönnt, da niemand die Start- und Endzeiten einzeln ausrechnete, doch nach meiner Bahnrunde, die genau bei 0:00,0 begann, war das natürlich einfach! Ich wollte unter einer Minute laufen, doch auf der Zielgeraden stellte es mich brutal auf.

Immerhin: Die vorderste 0 blieb stehen, ich überquerte die Zielinie nach 59,65 Sekunden. Dies lag zwar über dem notwendigen Durchschnitt, trotzdem unterboten «wir» die Bestmarke um mehrere Minuten.

Zum ersten Male Rekordhalter war ich bereits mit 14 Jahren geworden, und dieser Rekord steht bis heute. Ich gehöre zu denjenigen, die den Zuschauerrekord auf der Winterthurer Schützenwiese halten. Das war nicht etwa an einem Spiel des FC Winterthur sondern… an der Feldhandball-Weltmeisterschaft von 1963.

Beim Halbfinalspiel zwischen der Schweiz und Deutschland waren die Tribüne und die Stehplatzrampen brechend voll. Der Konsumverein verschenkte zusätzlich 2000 Tickets an Jugendliche, die sich zwischen den übrigen Zuschauern und den Spielfeldmarkierungen ins Gras setzen durften, und zu denen gehörte ich!

Ich weiss nicht mehr so genau waren mit oder ohne uns 18'000 Zuschauer im Stadion. Diese Erinnerung ist an die Oberfläche gekommen, weil ja jetzt dann gleich die Faustball-WM beginnt, ebenfalls auf der «Schützi.»

Der Rekord kann zwar nicht gebrochen werden, aber vielleicht erlebe ich ja als Zuschauer einen WM-Titel der Schweiz in einer Mannschaftssportart, und das wäre ja eine ausgesprochene Seltenheit. Also: Hopp Schwiiz!

Erstellt: 08.08.2019, 11:11 Uhr

Bernard Thurnheer ist Sportreporter und wohnt in Seuzach.

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