Stadtverbesserer

Im Angstraum

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Im neuen Winterthurer Sicherheitskonzept ist an alles gedacht. Um das subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern, soll künftig bei der Planung von Parks oder Unterführungen darauf geachtet werden, dass keine finsteren Ecken entstehen, sogenannte Angsträume.

Dieses Wort weckt beim Stadtverbesserer allerdings eine ganz andere Assoziation. Sein persönlicher Angstraum war keine finstere Ecke, sondern ein gut beleuchtetes Zimmer: das Wartezimmer des Zahnarztes seiner Kindheit. Die Wände waren von der Sockelleiste bis zur Decke mit Gruselbildern behängt: übergrosse Farbfotos von Zahnruinen, schwarze, faulige Stümpfe die aus blutendem Zahnfleisch ragen.

Die grösste Angst ist, dass einer im Lift ein Gespräch anfängt.

Damals versuchte man die Kinder noch mit Schocktherapie zum Wohlverhalten zu erziehen. Heute versuchen wir das das allenfalls noch mit den Rauchern.

Als Nichtraucher gruselt sich der Stadtverbesserer heute vor allem vor allzu engem Kontakt mit anderen Menschen. Ein Angstraum ist die Liftkabine. Wo soll man hinblicken? Soll man grüssen, wenn einer zusteigt? Die grösste Angst ist, dass einer ein Gespräch anfängt. Eine Angst, die nicht nur Menschen befällt.

Auch Affenforscher kennen den «Elevator Effect». Wenn die Tiere auf engem Raum zusammengepfercht sind, verstummen sie und vermeiden Augenkontakt. Sie kratzen sich auch häufiger – ein Zeichen von Stress.

Die Stadtverwaltung hat das Problem erkannt. Im Superblock werden die Mitarbeiter ermutigt, die Treppen zu benutzen. Der Stadtpräsident persönlich ist Zugpferd: «Mach’s wie Mike». Ein Vorsatz für die Gesundheit, sagt der Stapi. Angst kann es bei ihm nicht sein – wenn jemand in in dieser Stadt in jeder Situation und mit jeder Person ein Gespräch führen kann, dann Michael Künzle.

Erstellt: 03.10.2018, 17:00 Uhr

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