Stadtverbesserer

Kaffeediktatur

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In Zürich ist ein Streit um Kaffeekapseln entbrannt, der an Grundsätzliches rührt. Auslöser war, dass im Lehrerzimmer einer Primarschule eine Kaffeemaschine ersetzt werden musste. Für den Vollautomaten mit Mahlwerk kam als Nachfolger eine Kapselmaschine – das Standardmodell, das die städtische Immobilienverwaltung für solche Nutzungen vorsieht.

Eine Mitbestimmung gab es nicht, und es führt nun auch kein Weg an der Kapselmaschine vorbei, denn private Maschinen werden aus energetischen Gründen bei der Stadt nicht geduldet.

Mit dem baldigen Umzug der Redaktion droht auch dem Stadtverbesserer die Kaffeediktatur

Den Lehrern, die mit Preis, Geschmack oder Aluverbrauch des Kapselkaffees hadern, bleibt nur die Abstinenz. Dass das keine Option ist, weiss jeder, der schon einmal einen Lehrer ohne die morgendliche Koffeindosis erlebt hat. Logisch also, gehen die Lehrer auf die Barrikaden. «Wir bezahlen unseren Kaffee selber, dann wollen wir ihn auch selbst aussuchen», argumentieren sie. Es fehlt nicht viel zum ersten Lehrerstreik gegen den Kapselwandel.

Der Stadtverbesserer beobachtet die Vorgänge in Zürich nicht ohne Emotionen, denn mit dem baldigen Umzug der Redaktion droht auch ihm die Kaffeediktatur. Den flüssigen Weckruf soll es am neuen Standort nämlich nur noch aus dem Automaten geben. Abstinenz oder Pfützenkaffee, lautet so bald die unliebsame Wahl – und sind die Folgen der Leserschaft zuzumuten?

Es sind tatsächlich viele Fragen aufgeworfen. Gibt es ein Menschenrecht auf guten Kaffee? Oder müsste man wenigstens die Gewerkschaft einschalten? Es fragt sich auch, wie das Alternativszenario aussehen soll – vielleicht die schwerste Frage von allen. Ja, ob überhaupt ein Kaffeesystem nachhaltig funktioniert, ist fraglich. Bürogemeinschaften können Raumschiffe konstruieren, Regierungen stürzen, aber einen Kühlschrank sauber und eine Abwaschmaschine betriebstüchtig halten, scheint unmöglich.

Sich demokratisch auf ein Kaffeeregime einigen zu können, ist eine Illusion, der man vielleicht in der kurzen Euphorie im Nachgang an einen doppelten Espresso verfällt. Die Erfahrung lehrt anderes. Am heutigen Standort zählt der Stadtverbesserer allein auf seinem Stockwerk drei notorisch verkalkte Kapselmaschinen sowie einen Vollautomaten für den Heimgebrauch. Und dann ist da der Kollege, der sich stoisch seinen Pulverkaffee anrührt. Vielleicht wäre das ja für alle das Beste. (Der Landbote)

Erstellt: 31.01.2019, 11:37 Uhr

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