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Karfreitagsspaziergang

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Um vor den kulinarischen Exzessen des Osterwochenendes etwas für Leib, aber vor allem für die Seele zu tun, haben wir einen familiären Karfreitagsspaziergang unternommen.

Ein Gesundheitsversicherer, der auch in Winterthur verschiedene Fitnesswege durch die Waldgebiete eingerichtet hat, hatte in seiner Werbung angekündigt, dass zu Ostern auf seinen Erholungspfaden rund um den Wolfensberg kleine Geschenke deponiert seien, und so waren wir wohlgemut.

Der Weg führte auch schön an Wiesen und Lichtungen vorbei durch die Natur, bis allmählich das Brummen der Motoren lauter, der Abfall im Gebüsch auffälliger und insgesamt die Atmosphäre immer weniger erholsam wurde.

Steht man neben der Autobahn, sieht man nur rasenden Stillstand.

Der Fitnessparcours, so stellte sich heraus, führt nämlich nicht nur zwischen Baum und Busch hindurch, sondern vor allem auch der Autobahn A1 entlang. Fürs Joggen hat das freilich einen aktivierenden Effekt: Wer hier vorbeikommt, rennt gleich doppelt so schnell, nur um möglichst schnell wieder hier wegzukommen. Dafür fühlt es sich dann, wenn man mit Kindern und nicht rennend hier unterwegs ist, umso trostloser an.

Und während wir da zu viert, einigermassen deprimiert und aufgrund des ohnehin schon hohen Lärmpegels notgedrungen schweigend, weitertrotteten, dachte ich daran, wie anders doch die Welt aussieht, wenn man statt in einem Auto auf der Autobahn sich auf einem Kiesweg neben der Autobahn befindet. Sitzt man nämlich im Gefährt drin, glaubt man jeweils immer, eine gute Begründung zu haben: Schliesslich muss man wohin.

Steht man hingegen draussen, sieht man nur rasenden Stillstand: Gewiss, jedes einzelne Auto fährt, der Verkehr als Ganzes aber ist wie ein zwischen Schwarz und Anthrazit schillernder Block aus Metall, Lärm, Gestank, der weder Anfang noch Ende hat, präsentiert auf einem endlosen Betonsockel. Man könnte darüber lachen, wenn es einem nicht schon längst übel geworden wäre. Versteht sich von selbst, dass wir auch keine der versprochenen Süssigkeiten gefunden haben.

Die mussten wir dann stattdessen zu Hause zu uns nehmen, sozusagen als Antidepressivum gegen den Spaziergang. So haben wir dann zusammen einen jener Schokohasen verspeist, die doch eigentlich am Sonntag hätten gefunden werden sollen. War also gleich doppelt schlecht, die Idee mit dem Fitnesspfad, sowohl für Seele als auch Leib.

Erstellt: 24.04.2019, 12:32 Uhr

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