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Kirche geschlossen!

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Don Paolo Farinella, Pfarrer in Genua, wird an Weihnachten keine Gottesdienste feiern. Er protestiert damit gegen das sogenannte ­Sicherheitsdekret der italienischen Regierung. Ein Dekret das unter anderem das Abschieben von Flüchtlingen vereinfacht. Don Paolo erinnert daran, dass Maria und Josef mit dem kleinen Jesus ebenfalls Flüchtlinge waren, auf der Flucht vor Herodes. Käme die Heilige Familie heute an die Grenzen Italiens, würde man sie nach dem neuen Dekret nicht einlassen, sondern gleich abschieben. Zugleich kritisiert Don Paolo die Stubenkatholiken, welche den Innenminister Sal­vini hochjubeln und zugleich Weihnachten als folkloristischen Anlass zelebrieren. Sie geben sich zufrieden mit der niedlichen Krippengeschichte, schlagen sich die Bäuche voll, während unweit Menschen auf der Strasse vor Hunger und Kälte sterben. Deswegen bleibt seine Kirche geschlossen.

Greta Thunberg hat es durchgezogen. Über Wochen hat sie die Schule geschwänzt. Noch heute fehlt sie jeden Freitag. Dann demonstriert sie vor dem schwedischen Parlament dafür, dass die Politik, aber auch Bürgerinnen und Bürger den Klimawandel endlich ernst nehmen. «Wir müssen aktiv werden. Warum soll man für eine Zukunft lernen, die es vielleicht gar nicht gibt?», fragt sie. «Und warum soll man Fakten pauken, wenn die wichtigsten Fakten von der Gesellschaft nicht ernst genommen werden?»

Anni Lanz ist 72 Jahre alt. Sie wurde diese Woche im Wallis zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie hat einen jungen, nach Italien zurückgeschickten Flüchtling, der im Asylzentrum in Mailand abgewiesen wurde, zurückgeholt. Am Bahnhof in Domodossola hat er bei Minustempera­turen draussen geschlafen. Mit Frostbeulen am Körper, physisch und psychisch am Ende, so hat ihn Anni Lanz gefunden.

Drei Menschen im Lebens­advent. Advent, das ist die Erwartung, dass sich die uralten Hoffnungsbilder unserer Heiligen Schriften erfüllen: Aus dem scheinbar abgestorbenen Baumstrunk wächst ein neuer Zweig, die Wüste wird blühen, Löwe und Lamm weiden beieinander . . . Träume und Visionen, wie es sein wird, wenn göttliche Kraft die Menschen erfüllt und falsche Machthaber von den Thronen ­gestürzt sind. Hat nicht schon die junge, schwangere Maria dafür gesungen im (heute weltberühmten) Magnifikat?

Mutige Menschen, die es wagen, gegen alle Konventionen zu leben, mit der unerschütterlichen Hoffnung auf gelingendes Leben für alle. Don Paolo, ich habe den Mut nicht, «meine» Kirche zu schliessen, aber ich ­werde im Weihnachts-gottesdienst an sie denken.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.12.2018, 08:35 Uhr

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