Stadtverbesserer

Liebes St. Moritz

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wir sind’s, Winterthur, und wir müssen reden. Bevor Ihr jetzt euer korrigiertes Näschen rümpft. Klar, wir sind die da unten. Unterhalb der oberen Zehntausend, die sich bei Euch tummeln, sobald der erste Schnee liegt.

Bei uns gibt es kein Polofeld auf dem gefrorenen See und keine Sonnenterrassen mit getrüffelten Spaghetti im Mittagsmenü. Wir tragen keine Fellmützen und rasieren unsere Hunde nicht. Unsere Stiefmütter haben keine gleichaltrigen Töchter. Und sie gehen nicht in den Day-Spa. Ja, wir haben gar keinen Day-Spa. Wir träumen ein bisschen von einem Hamam, das muss genügen.

Trotzdem: Glaubt nicht, dass wir Euch nicht das Wasser reichen können – Winti-Wasser, Aqui Gold! Und es ist uns egal, wenn Ihr lieber ein Gläschen Champagner hättet. Wir sind nicht Zürich, auch wenn bei Rieter und Sulzer nur noch Manager sitzen.

Wir sind die Comedy-Hauptstadt der Schweiz. Bei uns aufzuschlagen, ist ein Privileg.

Wir haben keine Grossbanken, die ihre gefallenen Manager bespitzeln. Kein schickes Tramnetz ohne Rollmaterial. Wir sind im Herzen immer noch eine Arbeiterstadt, einfach, aber geradeaus. Und wir haben Werte von Dauer: Kultur, Museen, Theater. Wir müssen kein Gourmetfestival veranstalten, bloss damit etwas läuft.

Aber zum Punkt: Wir wissen ganz genau, dass Euer Gemeindepräsident am Samstag in unserem Casinotheater auftritt. Es ist für uns kein Ritterschlag. Wir sind die Comedy-Hauptstadt der Schweiz. Bei uns aufzuschlagen, ist ein Privileg. Auch für einen Politbarden aus den Bergen.

Ihr seid übrigens nicht die einzigen, mit einem Politiker, der noch etwas anderes kann, als das hohe Lied der Bürokratie zu singen. Wusstet Ihr, dass unser Stapi ganz passabel Saxofon spielt? Das wäre doch eine feine Sache, wenn er an Eurem Jazzfestival im nächstem Sommer einen kleinen Auftritt hätte! Ein Mann wie ein Berg, würde er bestimmt gut in Eure Alpenkulisse passen.

Wir müssen Euch wohl um diesen kleinen Gefallen bitten. Wir tun ja umgekehrt auch alles, damit der Auftritt Eures Oberentertainers der Wahl nicht noch plötzlich ins Wasser fällt. Ihr versteht schon, worauf wir hinaus wollen. Ein perfektes kleines Quid pro Quo – schon gehört?

So geht in der grossen weiten Welt heute Politik. Also nochmals für Euch zum Mitschreiben: Ein kleiner Slot am Eröffnungsabend für unseren Saxofon-Stapi. Und bitte einen Teller getrüffelte Spaghetti dazu!

Erstellt: 13.11.2019, 13:09 Uhr

Artikel zum Thema

«Solche Lieder werden heute nicht mehr geschrieben»

Winterthur Christian Jott Jenny und das Zürcher Staatsorchester laden zum Liederabend. Mehr...

Bild

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles