Tribüne

Minderjährige Klimaschützer

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Der europaweite Jugendprotest gegen die unzulängliche oder blockierende Klimaschutzpolitik vieler Regierungen hat längst auch Zürich, Winterthur und St. Gallen erreicht. «Klimaschutz statt Eigennutz», stand auf einem Transparent der Zürcher Schülerinnen und Schüler, die unter anderem eine Kerosinbesteuerung und die deutliche Begrenzung der globalen Erwärmung fordern.

Als ich das erste Mal von diesen «Friday-for-Future»-Demos überwiegend minderjähriger Klima-Aktivisten las, empfand ich – anders als bei den teils gewalttätigen Protesten der Gelbwesten - ungeteilte Freude. Mein erster Gedanke: Endlich regt sich in der nachwachsenden Generation wieder politisches Denken!

Endlich regt sich in der nachwachsenden Generation wieder politisches Denken!

Denn wenn ich im vergangenen Jahrzehnt junge Studierende nach ihren politischen Informationsquellen fragte, erntete ich Schulterzucken: Von 30 Studierenden gaben höchstens fünf an, digital oder gedruckt eine Tages- oder Wochenzeitung zu lesen. Sie interessierten sich fast ausschliesslich für Infos aus der digitalen Konsumwelt.

Die Geschichte zeigt, wie bedeutend ist, was sich jetzt regt: Die erste Jugendgeneration nach den repressiven Jahren des Zweiten Weltkriegs ging gegen die Wiederaufrüstung Europas auf die Strasse. Dann kamen die Proteste gegen den Vietnamkrieg. Die «68er»-Generation fegte den «Muff aus 1000 Jahren» aus den Unis.

Mit der Öl-Krise der 1970er Jahre rückten ökologische Themen in den Fokus sozialer Proteste: Die Öko-Bewegung, aus der in den 80ern die grünen Parteien Europas hervorgingen, proklamierte die «Grenzen des Wachstums», ging gegen Atomkraftwerke und das atomare Wettrüsten auf die Strasse. Auf abgasintensiven klapprigen Personenwagen prangten die Aufkleber «Atomkraft: Nein danke!».

In den 1990ern setzte die grosse Entpolitisierung der Jugend ein. Junge Leute wollten reisen, absolvierten weltweit Praktika und lebten in bunten Konsumwelten. «Chillen» war ein verbreitetes Leitmotiv.

Jetzt scheint sich in der bislang unpolitischen Wohlstandsjugend eine Renaissance des Politischen anzubahnen. Denn Klimaschutz ist keine Sache der Weltanschauung mehr und kein Privileg ökologisch vorgeprägter Besserwisser.

Seit dem Hitzesommer 2018 wird sichtbar, dass die Klimaerwärmung uns alle trifft. Die Schüler rufen auf, worüber debattiert werden muss: Was kann jedes Land tun, um die globale Erwärmung zu begrenzen? Die Kinder geben das Stichwort, wir alle müssen verantwortlich handeln. ()

Erstellt: 08.02.2019, 15:42 Uhr

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