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Mittagsgespräche

«Mami, gitt’s Buebe mit eme Meitlikörper?», fragte mich gestern mein 4-Jähriger Sohn beim Zmittag.

Er versuchte mit seiner Frage offenbar gerade zusammenzufassen, was wir in den 20 Minuten zuvor bei Gnocchi mit Tomatensauce und Gurkenrädli diskutiert hatten: Dass es Menschen gibt, die mit einem Frauenkörper zur Welt kommen, sich aber als Mann fühlen – und umkehrt. Dass es nicht nur Männer und Frauen gibt, sondern auch Menschen dazwischen. Und dass die Geschlechtsteile von männlichen und weiblichen Embryos sich bis in die 6. Schwangerschaftswoche identisch entwickeln und sich erst danach die männlichen Spezifika herauskristallisieren.

Gute Frage! Das behandelten wir damals während dem Studium der Geschlechterforschung nicht.

Dass es auch Menschen gibt, die sich bewusst nicht einordnen lassen wollen in die Kategorien Mann/Frau und dass jeder Mensch, egal ob er eine Vulva oder einen Penis oder irgendetwas dazwischen besitzt, so leben und sich so fühlen darf, wie er, sie oder es will. Dass es völlig ok ist, wenn der Nachbarsjunge im Röckli in die Kita will und Mama kurze Haare trägt.

Es war ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen, wacher Neugierde und offenen Herzen. «Mami, gitt‘s Meitli mit eme Buebekörper?», fragte also der kleine Mensch im Bubenkörper neben mir. Die Antwort fiel mir leicht: Ja. «Und gitt‘s Buebe mit eme Meitlikörper?» Antwort: Ja. Ohne zu Zögern folgte die nächste Frage: «Mami, gitts Hünd mit eme Chatzekörper?» Antwort: … ähm. Hmm.

Gute Frage! Das behandelten wir damals während meinem Studium der Geschlechterforschung nicht. Und weil ich selbst mich mit Tieren weniger gut auskenne als mit Menschen, leitete ich die Frage an meine Facebook-Freunde weiter. Die Antwort: Und ob!

Zum Beispiel Ashanti, die wunderschöne Abessinierkatze mit dem stechenden eindringlichen Blick. Sie apportiert schon mal, wenn ihre Besitzerin ihr Fellmäuse, Styroporchügeli und Pfeifenputzer wirft. Aber nur, wenn Ashanti Lust dazu hat. Oder Romèo, der elegante Thai-Siam-Kater, der von seiner operliebenden Besitzerin mit einem blauen Gstältli an der frischen Luft Gassi geführt wird.

Dass umgekehrt auch Katzen in Hundekörpern existieren, beweist Tüpfli, das kleine Chihuahua-Hündchen mit den grossen Augen. Die Hundedame von nebenan schnurrt sogar manchmal. «Was ist mit dem Hund los», wird seine Besitzerin oft gefragt, «der ist ja wie eine Katze!» Tüpfli schmiegt sich an, streicht um die Beine. «Ich hatte von Anfang an das Gefühl, das sei eigentlich ein Büsi», erzählt mir ihre Besitzerin. Bis auf jene Momente, in denen Tüpfli «den Hund rausläss»t, räumt sie ein.

Das tue die Hündin dann aber eher machomässig. Womit wir wieder bei der Gender-Diskussion wären und dass wir – ob Mensch und Tier – die Freiheit haben sollten, zu leben, wie wir sind. Auch jenseits der Geschlechternormen.

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